Der Untertitel verspricht „Ein Lexikon des Mittelalters“. Doch schon im Vorwort schränkt Wilhelm Volkert das Programm ein; sein enzyklopädischer Blick richtet sich leider bloß auf die Zeit von circa 900 bis 1500 und auf den Raum des deutschen Reiches. Verfaßt hat der Regensburger Historiker sein Nachschlagewerk nicht für „berufsmäßige Mediävisten“, sondern für interessierte Laien. Was sie hier in alphabetischer Reihenfolge von Ablaß über Folter, Kloster, Lehenswesen, Seuchen oder Unfreie bis Zweikampf erfahren, das sind zwar Charakteristika jener Epoche, aber keineswegs all ihre Facetten. Zu eigenwillig hat der Autor die Akzente gesetzt. Beispielsweise informiert er gleich in mehreren der gut 170 Artikel über Münzsorten oder definiert die höchst selten gebrauchten Begriffe „Gleve“ (Heereseinheit) und „Kux“ (Bergwerksanteil). Vernachlässigt werden dagegen mögliche Schlagwörter zur damaligen Umwelt, zum Klima oder zur Kleidung. Die Romanik und die Gotik sind für ihn ebenfalls kein Thema. Will man Auskunft über Ritter, Turniere oder den Minnedienst, muß mit Hilfe des Registers in anderen Beiträgen eher Bruchstückhaftes zusammengesucht werden. So wundert es nicht, daß in den Literaturempfehlungen entsprechende Titel fehlen: etwa Joachim Bumkes Standardwerk über die „Höfische Kultur“. Zudem mangelt es diesem Lexikon an Anschaulichkeit; keine Illustrationen ergänzen die Erklärungen (zum Beispiel zur Burg, zu Rüstungen und Wappen), keine Skizze verdeutlicht die Gesellschaftsgliederung. Nach einer genealogischen Tafel oder zwei, drei Karten soll bei diesem lückenhaften Mosaik vom Mittelalter erst gar nicht gefragt werden. Werner Hornung

  • Wilhelm Volkert:

Adel bis Zunft

Ein Lexikon des Mittelalters C.H. Beck Verlag, München 1991; 307 S., 39,80 DM