Eine Peinlichkeit war die Resolution 3379 der Generalversammlung der Vereinten Nationen schon gewesen, als sie 1975 verabschiedet wurde. Zionismus gleich Rassismus, lautete ihre Kernaussage, Daß sie nun endlich widerrufen wurde, ist somit nicht nur erfreulich für Israel, sondern ebenso für die Weltorganisation selbst. Dem Vertrauen in ihre Seriosität kann das nur guttun. Die Konfrontation des Kalten Krieges hatte vor sechzehn Jahren totalitäre Diktaturen, Feudalregime und sozialistische Herrschaftssysteme zusammengeführt, um Israel mit der Resolution zu brandmarken. „Das Ziel des Zionismus ist es, für das jüdische Volk eine sichere Heimat in Palästina zu schaffen“, hatte Theodor Herzl 1897 auf dem ersten zionistischen Weltkongreß in Basel formuliert. Diese Hoffnung des heimatlosen, verfolgten Volkes der Juden mit Rassismus gleichzusetzen war eine Absurdität.

Daß Anfang dieser Woche nun 111 Länder diesen Schandfleck aus der UN-Chronik tilgen wollten, ist verständlich; daß sich ihnen immerhin 25 Staaten, darunter die meisten arabischen, widersetzten, zeugt von deren Unreife und von ihrer Unerfahrenheit mit vertrauensbildenden Maßnahmen. Denn die Aufhebung der Zionismus-Resolution könnte letztlich gerade ihnen zugute kommen.

Nach dem ersten Jubel darüber, aus dem Paria-Status am East River entlassen worden zu sein, werden die Regierenden in Jerusalem nämlich dreierlei merken: Es wird ihnen erstens zunehmend schwerer fallen, sich ständig als in die Ecke gedrängtes Opfer darzustellen. Sie werden zweitens kaum länger den Vereinigten Staaten eine wachsende Israel-Feindlichkeit vorwerfen können, hat doch gerade George Bush kräftig beim Widerruf der Resolution 3379 geholfen. Und sie werden schließlich immer weniger umhinkommen, die Weltorganisation als Mittler zum Frieden und deren verbleibende Resolutionen als Maßgabe des Friedens zu akzeptieren. Denn nun weiß man: Nicht alles, was in New York beschlossen wurde, ist absurd. F. G.