Je näher das Weihnachtsfest und die Jahreswende rücken, desto geringer werden die Umsätze an den deutschen Aktienmärkten. Von einer Jahresschluß-Rallye, wie sie sonst gelegentlich vorkommt, war bisher nichts zu spüren. Die institutionellen Anleger haben ihre Aktivitäten schon seit einiger Zeit eingestellt. Nur wenn etwas Außergewöhnliches geschähe, würden die Bücher noch einmal geöffnet.

Die Blicke sind besorgt nach Osten gerichtet, sowohl auf die ehemalige Sowjetunion als auch auf Jugoslawien. Daß Bonn hinsichtlich der Anerkennung von Slowenien und Kroatien zu einem Alleingang entschlossen scheint, weckt bei den Börsianern wenig Begeisterung und lockt die Anleger bestimmt nicht aus ihrer Reserve.

Nicht nur die Zahlungsunfähigkeit sowjetischer Banken, auch der immer noch abnehmende Handel mit den ehemals sowjetischen Republiken verderben die Stimmung. Es wird befürchtet, daß dieser Rückschlag die konjunkturelle Situation Deutschlands zusätzlich belastet. Unter diesen Umständen überrascht es nicht, wenn die Umsätze auf dem Aktienmarkt so niedrig sind wie noch nie in den vergangenen Jahren. In den Börsensälen herrscht über weite Strecken gähnende Langeweile.

Selbst den sonst so aktiven Spekulanten bieten sich derzeit wenig Anhaltspunkte, Phantasie zu entwickeln. Auch an der Deutschen Termin-Börse ist der Handel schleppend, obwohl sie dem Kassa-Geschäft einen Teil des sonst dort abgewickelten Handels weggenommen hat. Auch der Optionsscheinmarkt zeigt kaum noch außergewöhnliche Bewegungen.

Verständlich, daß Papiere wie Hoesch und Conti, wo die Besitzverhältnisse zu Spekulationen reizen, besondere Aufmerksamkeit finden. Beide Aktien bewegen sich nicht selten gegen den Trend und scheinen tendenzmäßig nach oben zu streben. Der Wunsch der neuen Paketbesitzer, Abschreibungen zu vermindern, die zum Jahresende vorzunehmen sind, könnte eine Rolle spielen. Allein schon die Vermutungen darüber rufen Mitläufer, auf den Plan.

Bei vielen Kaufhauswerten, vor allem aber bei den Bauaktien werden weiterhin Gewinne realisiert. Das drückt die Kurse – ganz unabhängig von der günstigen Wirtschaftslage in beiden Bereichen.

Bemerkenswert widerstandsfähig zeigen sich die Papiere der Großchemie, obwohl sich die Börsianer bei BASF und Hoechst auf eine mögliche Dividendenrücknahme von 13 auf 12 Mark eingestellt haben. Hier stützen die Ausschüttungsrenditen, die nahe an die des Rentenmarktes herangekommen sind. K. W.