Es sieht ganz einfach aus: keine störenden Stöcke, null Problem, die Füße beisammenzuhalten, und breit genug wirken die Dinger ja auch. Auf dem Snowboard die Pisten runterzudüsen kann für einen geübten Alpinisten so schwer doch nicht sein – auch wenn man zur Generation gehört, die auf. Holzrollern statt auf Skateboards groß geworden ist.

Flugs geht es ans Anschnallen. Irgend so ein Depp hat allerdings die Bindung falsch angebracht. Ich stehe seitwärts, wie weiland meine Mutter bei Hamsterfahrten auf dem Zugtrittbrett.

Auch egal, runter kommt man immer. Beim ersten Ausgleiten, Sturz kann man so was nicht nennen, finde ich eine recht angenehme Sitzposition auf Hang und Brett. So sind die ersten 200 Meter leicht zu überbrücken. Wer zusah, war sicher der Meinung, ich würde die Stiefel neu schnallen oder die Bindung richten. Ein Aufstehversuch endet in seitenverkehrter Sitzposition, nur diesmal mit dem Kopf nach unten. Was weiter nicht schlimm ist, denn das Manöver bringt noch einmal 150 Meter talwärts.

Was man als Alpiner nie so registriert, sind Ebenen und Aufwärtsstücke der Piste. Normalerweise macht man die mit Schwung und Stockeinsatz. Diese wunderbar hilfreichen Stecken fehlen mir nun doch sehr. Irgendwie komme ich mir auch albern vor, rollerfahrend mit einem Bein abstoßend, diese läppischen fünf Meter zu überwinden.

Meine Blicke konzentrieren sich nun auf zwei Pistenraupen, die geradewegs auf mich zuhalten in der Annahme, ich würde schon ausweichen. Mir hilft ein Pistenhinweisschild, das erlaubt, meine Umklammerung lässig und gewollt erscheinen zu lassen. Man wird sich ja noch informieren dürfen! Immerhin liegen noch eineinhalb Kilometer vor mir, die ich per blauer, roter oder schwarzer Piste absolvieren könnte. Um die Götter nicht herauszufordern, entscheide ich mich intuitiv für die blaue Familienabfahrt. Mein Snowboard ist anderer Meinung und katapultiert mich in die schwarze Piste, auch Höllentobel genannt.

Am Tobelausgang findet mich die nette Blondine vom Nebentisch in der original Similaunmann-Haltung. Ihr Privatlehrer entwirrt meine Extremitäten und entläßt mich mit einem gutgemeinten „Paßt scho!“

Der Ziehweg, kombiniert mit heimkehrenden Skischulklassen, verlangt alles von mir. Nun zahlt sich meine Erfahrung als erfolgreicher Limbotänzer bei etlichen Misterwahlen aus. In perfekter Rücklage, bei circa sechzig Stundenkilometern, bekommt mein Hinterkopf die prekäre Schneelage eingehämmert. Ein beherzter Griff ins Absperrnetz beendet diese artistische Einlage. Immerhin kann ich jetzt die Talstation sehen. Nur wie hinkommen?