Die Israelis lieben Ausflugsziele, von denen sie einen Blick in Feindesland werfen können. In Hammat Gader gibt es neben heißen Mineralquellen, Warmwasserrutschbahnen und der Möglichkeit, sich an Sabbat- und Feiertagen (oder nach vorheriger Anmeldung) mit einem Krokodil photographieren zu lassen, einen Aussichtspunkt auf den Jarmuk.

Der Jarmuk ist ein unspektakuläres Flüßchen, das sich zwischen lehmigen Steilufern durch beiderseits von hohen Maschendrahtzäunen abgegrenztes Niemandsland windet. Auf der israelischen Seite ist der Zaun elektrisch. Auf dem anderen Ufer lassen jordanische Soldaten einen von Vegetation freigemachten Todesstreifen nicht aus den Augen.

Zehn Kilometer weiter mündet das Flüßchen in den ebenso unspektakulären Jordan. Am Jarmuk, steht in einer 1984 für die nachrichtendienstliche Abteilung des Pentagon verfaßten Studie, würden sich mit großer Wahrscheinlichkeit zukünftige Konflikte im Jordanbecken entzünden. Hammat Gader liegt im Fadenkreuz eines Kalten Krieges um das Wasser.

Wasser, dieses unscheinbare, allgegenwärtige Element, hat das Öl als wichtigsten Rohstoff des Nahen Ostens verdrängt. Israel und Jordanien, stellt ein vielzitierter Artikel in der amerikanischen Zeitschrift Foreign Policy fest, schlitterten mitsamt den anderen Ländern der Arabischen Halbinsel in eine Situation, in der alle vorhandenen Oberflächen- und Grundwasservorkommen voll ausgeschöpft seien. Die Wassernot verdrängt sogar den jüdisch-arabischen Konflikt aus dem Brennpunkt.

„Kein arabisches Land“, sagt ein jordanischer Wasserexperte, „hat mehr die Kraft, um politische Streitfragen zu kämpfen. Aber wenn es dazu kommt, daß den Menschen das Wasser ausgeht – das ist eine andere Geschichte.“

Selbst Jordaniens eher friedliebender König Hussein erklärte, Wasser sei für sein Land ein Casus belli. Bei den für Januar geplanten multinationalen Verhandlungen um eine Friedensordnung im Nahen Osten wird Wasser ein Hauptthema sein. Die Teilnehmer stecken ihre „hydrostrategischen Positionen“ ab. Sie sind dabei unflexibler als in jeder anderen Frage.

„Wasser“, stellte Israels regierende Likud-Partei kategorisch fest, „ist unser Leben. Man liefert sein Lebenselixier nicht seinen Gegnern aus.“