Kamelle, bitte!

Da wir heute den Blick ins Rheinland richten, zunächst eine Bemerkung in eigener Sache. Wessen Leben vom Norden und seiner endlosen Weite geprägt ist, der tut sich nun einmal schwer, auf Zuruf gewissermaßen aus dem Stand Frohsinn zu entwickeln. Jene Leichtigkeit des Herzens, die es erlaubt, pünktlich zu Rosenmontag eine rote Nase aufzusetzen und auf harte Karamelbonbons zu beißen. Andererseits, wir sind alle Brüder und Schwestern, was jetzt im Rheinland passiert, bewegt auch den Menschen hinter dem Deich. Wie dpa meldet, ist eine Debatte entbrannt, ob angesichts des Bürgerkriegs in Jugoslawien Karneval in die Landschaft passe. Sechs Bonner Politiker (SPD, CDU, FDP) meinen nein, der Rest des Rheinlandes eher ja. „Die sollen lieber dafür sorgen“, so Präsident Franz Ketzer vom Düsseldorfer Carneval-Comitee, „daß der Krieg endlich aufhört, anstatt unser altes Brauchtum, das Kulturbesitz ist, kaputtzumachen.“ Bei ihm stehe das Telephon nicht still, Leute aus dem ganzen Rheinland riefen an und bekundeten ihre Meinung, daß die Sechs aus Bonn „doch irgendwie bekloppt sein müssen“. Ein böses Wort, sollen wir es stehenlassen? Darauf ein dreifach donnerndes Nein. Im letzten Jahr der Golfkrieg, davor die Orkane, langsam hört der Spaß auf. Karneval, wir kommen.

Besser vorbeugen als schießen

Kanonen, genauer gesagt Pistolen und Gewehre, gibt es seit 1978 in Washington nur noch gegen Vorlage des Personalausweises. Diese Anordnung, der „Firearms Control Regulation Act“ vom 21. Februar 1977, scheint sich gelohnt zu haben: Mord und Totschlag sind rings um den Capitol Hill mit nur noch neun Fällen pro Monat deutlich weniger geworden. Diese erfreuliche Meldung stand im New England Journal of Medicine. Die Fundstelle regt zu Vermutungen an: Sollten unter den ärztlichen Lesern vielleicht Kollegen sein, die sich nicht nur auf Spritzen und Tabletten, sondern auch auf Pistolen und Kugeln verstehen? Eher unwahrscheinlich, denn amerikanische Ärzte verdienen gut. An Drogen, die häufigste Ursache von Gewaltverbrechen, kommen sie leicht heran. Vielleicht wollte das Blatt auch nur einen Beweis für die Wirksamkeit der Prophylaxe liefern. Die ist in der Medizin nämlich die sicherste Art, Krankheiten zu vermeiden. Und in der Kunst der Prophylaxe scheinen die Juristen in Washington erfolgreicher zu sein als die Mediziner. Ihre Bemühungen, Lebenserwartung und Lebensqualität der vornehmlich schwarzen Bürger der Hauptstadt zu verbessern, hatten bislang nicht den erwünschten Erfolg.