Seit Beginn dieser Woche ist das Parkett der deutschen Börsen zwar wieder normal besetzt, doch die Umsatztätigkeit hat sich nicht nennenswert belebt. Nicht nur die private Anlegerschaft mißtraut dem Kursaufschwung vom Jahresende, auch die institutionellen Anleger üben sich weiterhin im Käuferstreik. Nachdem der Berufshandel tagelang allein agiert hatte, ist er dazu übergegangen, Kursgewinne zu realisieren. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel am Dienstag wieder unter die als psychologisch wichtig angesehene Marke von 1600 zurück.

Einige Zeit hatte der deutsche Aktienmarkt von der zinsinduzierten Hausse an der Wall Street profitiert, wo sechs Tage hintereinander neue Höchststände registriert wurden. Inzwischen zeichnet sich aber auch an der amerikanischen Börse eine Beruhigungsphase ab. Sie kommt nicht überraschend, denn der Kursaufschwung in den Vereinigten Staaten wird durch die wirtschaftliche Entwicklung dort nicht gedeckt. Das jetzt erreichte Kursniveau steht daher auf sehr schwachen Füßen.

Kein Wunder, wenn sich die deutschen Börsianer sorgenvoll fragen, was geschehen wird, falls die Tendenz an der Wall Street „kippen“ und sich dort ein Abwärtstrend einstellen sollte. Wie reagieren die Kurse in der Bundesrepublik? Dabei wird darauf hingewiesen, daß auch das Kursniveau am deutschen Aktienmarkt vor dem Hintergrund der deutschen konjunkturellen Entwicklung nicht unbedingt plausibel erscheint.

Einen Lichtblick liefert in der Bundesrepublik allein der Rentenmarkt, wo sich die Zinssenkung bei Papieren mit mittleren und längeren Laufzeiten fortgesetzt hat, obwohl die Bundesbank im vergangenen Monat Diskont- und Lombardsatz angehoben hatte. Was sich am deutschen Rentenmarkt in den vergangenen zwölf Monaten getan hat, läßt sich am besten an den Konditionen der neu herausgegebenen Bundesanleihen ablesen. 1991 startete der Bund mit einem Neunprozenter, jetzt ist eine Anleihe des Fonds Deutsche Einheit zum Nominalzins von nur noch acht Prozent aufgelegt worden.

Die Voraussagen, nach denen sinkende Zinsen den Aktien von Banken und Versicherungen zugute kommen würden, haben sich bislang nicht erfüllt. Deren Kurse bewegten sich im Rahmen der Normaltendenz. Offensichtlich besteht unter den Anlegern eine gewisse Scheu, sich angesichts der vielen ungeklärten Risiken im Osten stärker in Bankaktien zu engagieren. Gleichwohl erreichte die Aktie der Deutschen Bank vor einigen Tagen wieder ihren Höchstkurs aus dem Vorjahr.

Anfällig für Rückschläge sind die Papiere des Maschinen- und Anlagenbaus geblieben. Da die Beschäftigung in dieser Branche zurückgeht, überrascht das nicht. K. W.