Auf dem Balkon, der – zusammen mit den anderen unter und über sich – allmählich alles hergeben mußte, was ihn zum Balkon gemacht hat, war ein Rohrstuhl zurückgeblieben, im abgeblätterten Krankenzimmer-Weiß. Der Boden unter seinen Füßen hatte Risse, und so konnte er nicht beliebig hin und her schrammen, wenn ihn der Wind anfuchtelte; die Risse bildeten Barrieren, Haken und Scharniere. Fing er an zu holpern oder wurde er geschüttelt, knackte und riß es in den Gelenken. Platzte das Rohrgeflecht hie und da mal wieder, wanden sich die Fetzen und sprangen hoch.

Lehnte der Rohrstuhl an der wackeligen Brüstung, schien er nur noch darauf zu warten, daß der Wind ihn zur Balkontür schob, die längst in ihren Angeln hing und sich mit ihrem Quietschen in sein Geschramme einmischte. Staub und Mörtel setzten sich in seine Risse, durch Nässe zu Brei verklebt. Luden Sonne, Schatten oder Nebel ihren Teil auf den Balkon ab, entstand ein Bild, das sich selbst immer wieder veränderte, aber keine Neugier ertragen mußte. Wenn es ruhiger wurde, blieb die Schmutzluft darüber.

Kopfüber war der Stuhl schon hingefallen, hoch ging’s dann wieder durch seine Zappelei: Schubste ihn der Wind im Rücken oder fegte von unten heran, gewann er stoßweise an Höhe, abbröckelnder Zement von oben gab bei den Balanceakten den Ausschlag und traf gelegentlich dorthin, wo das Gegengewicht gerade fehlte. Und die Bodenrisse gaben Halt. Als er endlich auf dem Rücken lag, fielen ganze Zementbrocken herunter und deckten ihn von oben bis unten ein. Zwischen den Brocken wanden und schlängelten sich die Rohrfetzen höher, als wollten sie wachsen. Und die Sitzfläche verwandelte sich in einen mit Mörtel übersäten steil abfallenden Hügel; ein Grabmal in – bei Licht besehen – glitzerndem Grau.