Swiad Gamsachurdia, der Georgien in die Besessenheit statt in die Befreiung führte, ist gestürzt. Doch der georgische Knoten ist damit nicht zerschlagen. Das malerische Tiflis, das fast zum zweiten Beirut wurde, steht mehrheitlich hinter dem Rebellenlager. Der Westen der Kaukasusrepublik hat eine andere Position. Ein zweites Libanon kann noch drohen.

Der Dichtersohn als Despot war ein tragisches Beispiel für das, was heute aus der kommunistischen Asche aufsteigen kann. Vom Westen als Freiheitsheld gelobt, von den Georgiern im Mai mit 87 Prozent zum Präsidenten gewählt, blieb er der charmante, aber paranoide Fanatiker, der über den Weltmarkt nichts und über die Weltverschwörung gegen Georgien alles wußte. Sein Sturz wird das Oppositionslager schnell wieder auseinanderbrechen lassen.

Der einzige Politiker von westlichem Zuschnitt ist Gamsachurdias früherer Ministerpräsident Tengis Sigua. Der zweite könnte Eduard Schewardnadse werden. Doch als Innenminister und Parteichef Georgiens war er einst nicht der gewaltlose Humanist, zu dem er heute geworden ist. Jene Parteiführer und Bravados, die jetzt eine Monarchie einführen möchten, würden ihn das schnell spüren lassen. Dabei braucht Georgien statt eines königlichen Hauptes dringend wirtschaftliche und juristische Köpfe. Schneller Rat aus Bonn täte gut für das verwirrte Land, zu dessen unzerstörten Traditionen die Deutschfreundlichkeit gehört. C.S.-H.