Sie stammen aus dem gleichen Clan, sie gehören der gleichen Partei an, sie kämpften gegen den gleichen Gegner: Ali Mahdi Mohammed und Mohammed Farrah Aidid, zwei Streiter unter dem Banner des Vereinigten Somalischen Kongresses (USC). Anfang 1991 verjagten sie den Diktator Siad Barre gemeinsam aus der Hauptstadt Mogadischu; Ali Mahdi wurde Präsident der Interimsregierung, General Aidid blieb Chef des USC. Ende 1991 gingen sie aufeinander los.

Seit Mitte November liefern sich die zwei zerstrittenen Sippen der Hawiye angehörenden Führer einen grausigen Diadochenkampf. Über 20 000 Menschen seien in dieser kurzen Zeit umgekommen, schätzen Augenzeugen der Vereinten Nationen. Mitarbeiter der wenigen Hilfsorganisationen, die sich noch in das Land wagen, nennen die Lage in der Hauptstadt „apokalyptisch“. Siebzig Prozent der Gebäude liegen in Schutt und Asche. Tausende und Abertausende hungern. Glücklich jene Schwerverletzten, welche in zerschossenen Krankenhäusern oder auf umkämpften Straßen notversorgt werden. Viele Menschen haben alle Hoffnung längst fahrenlassen; auf Hilfe aus Europa oder Amerika rechnen sie nicht mehr. Dort nimmt man ihr Elend ohnehin kaum wahr.

Während im Süden des Landes, in der ehemaligen Kolonie Britisch-Somaliland, das Blutvergießen weitergeht, hat der Norden, ehemals unter italienischem Kolonialjoch, seine Unabhängigkeit erklärt. Deutschland wird Somaliland gewiß nicht so schnell anerkennen wie etwa Estland oder Kroatien, obwohl dies nicht einmal den Statuten der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) widerspräche. Darin wird die Unantastbarkeit der Kolonialgrenzen festgeschrieben. Aber die Bonner Diplomaten müßten wohl erst auf der Landkarte nachschauen, wo der neue Staat überhaupt liegt. ill