Sarajewo läßt grüßen. Wie hätten die italienische und französische Regierung wohl zu jenen Zeiten auf den gewaltsamen Tod ihrer Staatsbürger reagiert, als auch die Westeuropäer den Krieg noch für ein Mittel der Politik hielten? Jetzt beschränken sie sich auf Empörung und sehen sich in einer schlimmen Ahnung bestätigt: Wer sich in die balkanischen Wirren begibt, droht Schaden zu nehmen. Die ersten Gefallenen der Europäischen Gemeinschaft sind Opfer eines Konfliktes, der immer monströsere Züge annimmt. Dennoch müssen die EG und die Vereinten Nationen alles unternehmen, um dem Töten in Jugoslawien ein Ende zu setzen.

Aber wie sollen sich Macht und Einfluß der Völkergemeinschaften in dem jugoslawischen Chaos manifestieren? Der fortdauernde Streit um das deutsche Vorpreschen bei der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens beschwört eine Gefahr herauf. Washington murrt, Mitterrand rügt die Deutschen – infiziert der Balkan-Virus nun den Westen mit Zank und Zwist? Kollektive Ratlosigkeit kann leicht in gegenseitige Schuldzuweisungen münden. Aber ob die Anerkennung der neuen Republiken die Kampfeslust der Serben nun dämpfte oder noch mehr anstachelte, wer will das wissen? Sicher ist allein, daß die westlichen Länder nur im Einklang und mit gleicher Stoßrichtung Druck ausüben können.

Die Mission des UN-Unterhändlers Vance hat gezeigt, daß die Kriegsparteien wirtschaftlich erschöpft und politisch ermattet sind. Die Verantwortlichen in Belgrad und Zagreb haben nicht ohne Not dem Waffenstillstand zugestimmt. Sie zu drängen, nun auch den Fanatikern die Waffen aus der Hand zu nehmen, bleibt die vorrangige Aufgabe. Der Tod der EG-Beobachter gefährdet die Bemühungen um den Frieden. Aber er darf weder die Europäische Gemeinschaft noch die Vereinten Nationen von dem Versuch abhalten, die Völker auf dem Balkan vor ihrer gegenseitigen Zerfleischung zu bewahren. D. B.