Damals in der Schule, da hatte kein Fach etwas mit dem anderen zu tun. Zog Napoleon gegen Moskau, litten wir mit Andri in Andorra, fanden mit Kepler die Gesetze der Planetenbahnen und sangen begeistert Spirituals. Am selben Tag, im selben Jahr, in Dreiviertelstunden-Abständen. Erst später entdeckten wir Zusammenhänge. Zufällig. In Lion Feuchtwangers Romanen zum Beispiel, als Benjamin Franklin, den wir uns nur in Amerika denken konnten, mit französischen Adligen in Paris zusammenarbeitete und „Die Hochzeit des Figaro“ mehr als Musik bedeutete. Der Aha-Effekt dauert an, dank einer Ausbildung, die sich bestenfalls zu einer fachinternen Chronologie aufraffen kann. Vielleicht lag darin das pädagogische Konzept – der späten Lust an der Suche nach den Querverbindungen. „Bilderbogen der Weltgeschichte“ nennt sich ein Buch in Din-A3-Format, das diese Neugier schon in Schulzeiten stillen könnte. Vom hölzernen Wagenrad bis zum Treibhauseffekt, von den ersten Schriftzeichen bis zum ersten Walkman, von Akkad bis Sadat ziehen die Fakten chronologisch über die Jahrhunderte hinweg und ermöglichen gleichzeitig, sie diskursiv zu lesen. Das Deutsche Kaiserreich – Schloß Neuschwanstein – Indochina – die erste Blue Jeans – alles gleichzeitig und kein Zusammenhang? Unangenehme Fragen, die auch die Lehrpläne in Verlegenheit bringen. Klappt man den Bilderbogen auf, kann man ihn an die Wand heften – drei Meter Weltgeschichte. Nicht viel, aber mehr als ein Schuljahr in Dreiviertelstunden-Häppchen. Doch vielleicht ist das heute ja alles anders. K.H.

  • Christos Kondeatis (Ill.):

Bilderbogen der Weltgeschichte

Aus dem Englischen von Ursula Schmidt-Steinbach; ars edition, München 1991; 11 S., 39,80 DM