Ein zweifelhafter Versuch, Umweltbewußtsein zu demonstrieren, ist vorerst aus der Welt. Deutsche Küstenorte werden in diesem Sommer nicht die blaue Europa-Fahne hissen.

Ein Gerichtsurteil war vonnöten, um das Ende einer Farce herbeizuführen. Das Landgericht Berlin, angerufen vom Verbraucherschutzverein, verbot die Werbung mit dem Euro-Emblem aus wettbewerbsrechtlichen Gründen. 1990 war die „Blaue Europa-Flagge für umweltorientierte Urlaubsorte und Sportboothäfen“ (Slogan „Mit Europa – für die Umwelt“) zum vierten Mal vergeben worden, hierzulande von der Unterorganisation Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU). 1990 hat sie von den Bewerbern eine Teilnahmegebühr von 2000 Mark und zusätzlich 300 Mark für die Fahne erhoben.

Da die wohlmeinende Aktion unter anderem von verschiedenen Umweltverbänden sowie von der EG-Kommission und dem Umweltbundesamt unterstützt wurde, gab es lange Zeit wenig Kritik, obwohl die Mängel des Verfahrens nicht zu übersehen waren. Die Fahne flatterte nämlich ebenso unbekümmert an den Küsten jener Mittelmeer-Anrainer, die ihre Abwässer bis heute ungeklärt ins Meer leiten, wie in Nord- und Ostseebädern, deren Wasserqualität amtlich überprüft und für Badende als unbedenklich eingestuft worden war.

Mit bewertet für die Öko-Auszeichnung wurden aber auch die Bemühungen eines Ortes um den Umweltschutz im allgemeinen – ein Begriff, dehnbarer als Kaugummi. Wie sollten für ein solches Sammelsurium denn auch objektive Kriterien gefunden werden – noch dazu europaweit?

Der Bund für Umweltschutz und Natur Deutschland (BUND) sowie der Fremdenverkehrsverband Schleswig-Holstein, der sich in den zurückliegenden Jahren wegen seines seriösen Engagements in Umweltfragen Respekt verschafft hat, sahen „positive Ansätze zu einem Werbetrick mißbraucht“ und verabschiedeten sich Anfang letzten Jahres aus der zweifelhaften Flaggen-Parade.

Die Reise-Riesen TUI und NUR, die ihre Kataloge für den Sommer 1992 werbewirksam mit dem etablierten Gütezeichen hatten schmücken wollen, machten erst nach dem Berliner Urteil einen Rückzug. TUI hatte zuvor die Mittelmeerländer, denen sie den Löwenanteil ihres Feriengeschäftes verdankt, in einer „Aufklärungskampagne“ zur Teilnahme an dem Flaggen-Wettbewerb animiert. In einigen Ländern, so ließ der Veranstalter wissen, habe sich daraufhin die Zahl der Bewerber „um 500 Prozent erhöht“.

Über die unterschiedlichen Bewertungskriterien wäre der Verbraucher im unklaren geblieben, ebenso darüber, daß das Signet sich auf Zustände bezogen hätte, die bei Erscheinen der Kataloge mindestens ein Jahr zurücklagen.