DIE ZEIT

Anmaßung

Die Achtung elementarer Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit fällt selbst führenden Unionspolitikern noch immer schwer. Da fordert doch der Bundesfinanzminister und CSU-Vorsitzende Theo Waigel allen Ernstes ein "Spitzengespräch" der Bonner Koalitionsparteien über die Frage der etwaigen Haftentlassung von sieben Terroristen.

Der Sturz

Swiad Gamsachurdia, der Georgien in die Besessenheit statt in die Befreiung führte, ist gestürzt. Doch der georgische Knoten ist damit nicht zerschlagen.

Die Pflicht der Welt

Sarajewo läßt grüßen. Wie hätten die italienische und französische Regierung wohl zu jenen Zeiten auf den gewaltsamen Tod ihrer Staatsbürger reagiert, als auch die Westeuropäer den Krieg noch für ein Mittel der Politik hielten? Jetzt beschränken sie sich auf Empörung und sehen sich in einer schlimmen Ahnung bestätigt: Wer sich in die balkanischen Wirren begibt, droht Schaden zu nehmen.

Die Gauck-Behörde öffnet ihr Archiv: Blick in den Abgrund des Verrats

Genau 44 Spitzel zählt die "IM-Liste" auf. Gespannt schaut Gerd Poppe auf das riesige Stück Papier, das ihm die Mitarbeiterin der Gauck-Behörde zur Begrüßung überreicht: Ganz links steht immer der Deckname, nur selten findet sich rechts der "Klarname" des Inoffiziellen Mitarbeiters (IM).

Wird der Damm jetzt brechen?

Die Auflösung der Sowjetunion gefährdet den Versuch, die Ausbreitung der Atomwaffen zu verhindern

Vermittlung auf dem Balkan: Friedensstifter in Schwierigkeiten

Nach vierzehn gebrochenen Waffenstillständen droht nun auch der fünfzehnte Versuch zu scheitern. Cyrus Vance, der die Führer der Kroaten und Serben auf die neuerliche Feuerpause eingeschworen hatte, sah jedenfalls keinen Anlaß zur Entwarnung.

KOLUMNE: Prioritäten setzen

Wieviel heiße Luft von Politikern jahraus, jahrein produziert wird, erkennt der aufmerksame Beobachter immer dann, wenn Parlamente und Regierungen Ferien machen.

Nachlese: George Bush in Seoul: Frieden in Korea?

Wer wollte George Bush seine Skepsis verdenken? "Ich traue Kim II Sung nicht", gestand der amerikanische Präsident, auf zwölftägiger Reise durch Asien, am vergangenen Sonntag bei einem privaten Abendessen mit Südkoreas Staatschef Roh Tae Woo.

Weltbühne: Hendl statt Bundesadler?

Österreichs würdigstem Federvieh soll es an die Klauen gehen. Seitdem selbst über dem Kreml nicht mehr die rote Fahne mit Hammer und Sichel flattert, gibt es ernsthafte Erwägungen, den Bundesadler abzurüsten; hält dieser doch im rechten Fang eine goldene Sichel und im linken einen goldenen Hammer.

Rückblick: Bürgerkrieg in Somalia: Diadochenkampf

Sie stammen aus dem gleichen Clan, sie gehören der gleichen Partei an, sie kämpften gegen den gleichen Gegner: Ali Mahdi Mohammed und Mohammed Farrah Aidid, zwei Streiter unter dem Banner des Vereinigten Somalischen Kongresses (USC).

Crack-Haus New York

Fetzen rotbrauner Tünche rotten an den Ziegelhäusern, Rost zerfrißt die Feuerleitern, ausgebrannte Ruinen wechseln mit stillgelegten Manufakturen ab.

Nordrhein-Westfalen: Kölsche Cleverness

Denkmäler, so heißt es, sind gefrorene Geschichte. Damit berühmte Menschen sich zuvor noch etwas wärmen können, werden sie manchmal schon zu Lebzeiten auf einen Sockel gestellt – zum Beispiel als Ehrenbürger.

Bayern: Geschenke für den Pfeifenmann

Der 1. FC hat schon viele schöne Eigentore geschossen. Doch das vermutlich schönste gelang ihm vor kurzem nicht auf dem grünen Rasen, sondern am grünen Tisch.

Freundlich nicken

Das Wort Verfassungsreform, das nun im Sumpf einer falschen und gescheiterten Diätengesetzgebung auch noch anrüchig geworden ist, hat wenig politische Anziehungskraft.

Der Rubelschock

Höhere Preise, aber die Regale bleiben leer – nun droht Rußland auch noch Massenarbeitslosigkeit

Bonner Kulisse

Die SPD-Opposition hat sie mehrfach gefordert, der christsoziale Entwicklungshilfeminister Carl-Dieter Spranger setzt sie nun mit mehrmonatiger Verzögerung in die Tat um: die Ablösung seines skandalumwitterten Staatssekretärs Siegfried Lengl.

Transrapid: Verlockend

In nur einer Stunde mit dem Transrapid von Hamburg nach Berlin schweben – diese Vision für das Jahr 2000 besitzt nun einen höheren Gehalt an Wahrscheinlichkeit als je zuvor.

Waffenexporte: Peinlich

Während Außenminister Hans-Dietrich Genscher kaum eine Gelegenheit ausläßt, den weltweiten Export von Waffen und sonstigem Rüstungsmaterial zu ächten, zieht sich die Verabschiedung der verschärften Ausfuhrkontrollen durch Bundestag und Bundesrat derart unerträglich in die Länge, daß es nachgerade peinlich ist.

Einkommensverteilung: Was uns reich macht

Warum gibt es Arme und Reiche auf der Welt? Die Armen, so die konservative Antwort, sind an ihrem Los selbst schuld: zu faul, zu unflexibel, zu undiszipliniert, zu affektgeladen.

Manager und Märkte

SPD-Betriebe: Aufsichtsratsvorsitzender geht Medien: Neuer Pressekonzern wächst

Ungleich verteilt

Wie das Statistische Bundesamt aufgrund einer Stichprobe errechnet hat, sind die Nettoeinkommen privater Haushalte in der Bundesrepublik zwischen 1983 und 1988 um zwölf Prozent gestiegen.

Eine Vision aus der Vergangenheit

WIEN. – Obwohl seit dem Niedergang der Habsburgermonarchie mehr als sieben Jahrzehnte verstrichen sind, wird das Andenken an die imperiale Vergangenheit in Wien weiterhin wachgehalten.

Das Glück in Gramm gemessen

BERLIN. – Die August-Putschisten und Co., die heutzutage am neuesten sowjetischen Sport "Springen vom Balkon ohne Fallschirm" teilnehmen oder im Gefängnis sitzen, hatten die Situation im Land völlig falsch eingeschätzt.

Die Pflichten der letzten Supermacht

NEW YORK. – Das Ende der Sowjetunion und der Rücktritt Michail Gorbatschows sind bedrückende Ereignisse, selbst wenn sie zunächst einen Gewinn für Freiheit und Demokratie bedeuten.

Unbedingt gewaltlos

Noch heute nötigt Respekt ab, was Helene Stöcker zur theoretischen Begründung feministischer und pazifistischer Positionen formuliert hat.

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