Köln

Denkmäler, so heißt es, sind gefrorene Geschichte. Damit berühmte Menschen sich zuvor noch etwas wärmen können, werden sie manchmal schon zu Lebzeiten auf einen Sockel gestellt – zum Beispiel als Ehrenbürger. Als solcher dürfen sie dann kostenlos mit der U-Bahn fahren. Aber wer fährt schon gerne U-Bahn?

Köln leistet sich zur Zeit drei lebende Ehrenbürger: den Ex-Oberbürgermeister John Van Nes Ziegler, den Volksschauspieler Willy Millowitsch und den Schokoladefabrikanten Peter Ludwig.

Dieser hat die traditionelle Reihenfolge etwas durcheinandergebracht. Die Ehrenbürgerwürde bekam er vor allem deshalb, weil er sich mit dem neuen, großen „Museum Ludwig“ in Köln selbst ein Denkmal setzte. Das lockte viele Touristen, und andere Städte bestaunten die kölsche Cleverness.

Geschichte ist eigentlich die Lehre von dem, was nicht zweimal vorkommt. Aber nun ist es wieder diese 2000 Jahre alte Stadt am Rhein, die uns anderes lehrt: Jetzt soll auch der Ehrenbürger Millowitsch zu Lebzeiten ein Denkmal bekommen, diesmal sogar ein echtes aus Bronze, das er zudem nicht mal selbst bezahlen muß. Nun wird wieder rheinauf, rheinab gerätselt, was die pfiffigen Kölner sich dabei wohl gedacht haben.

Schließlich ist Willy Millowitsch zwar ein bundesweit bekannter Komödiant, und gegen die Fernsehbeliebtheit seiner rheinischen Bühnenpossen kommt selbst Heidi Kabel vom Hamburger Ohnsorgtheater schwer an. Aber wer weiß denn schon, daß die Millowitschs seit fast hundert Jahren in Köln Theater spielen? Köln, die Stadt des Volkstheaters – ja, das wäre endlich auch ein neuer Slogan (statt immer nur Kunst, Karneval und Kathedrale). Und damit das, wie die Werbestrategen sagen, auch „richtig rüberkommt“, haben die Stadtväter gleich kräftig nachgeholfen.

Zuerst waren sie für das Denkmal, Tage später wieder dagegen (zu teuer). Dann fand sich ein privater Sponsor, und alle waren wieder dafür. Bis zum Dezember, da war der Rat mit einer Entscheidung überfordert und vertagte sich zunächst auf Januar. Zwei Tage später gab es eine „Dringlichkeitsentscheidung“ für das Denkmal, was wiederum von den kölnischen Zeitungen als „Ende der Blamage“ bezeichnet wurde. Dabei war es alles andere als das: Es war über ein Jahr hinweg die beste Werbung für „Volkstheater“ überhaupt.

Dieser Tage nun soll der „Bronze-Willy“ feierlich enthüllt werden – im Beisein natürlich des Ehrenbürgers („die Dude han doch nix dovun“). Und damit, hoffen die Stadtväter, ist auch die Geschichte mit dem Denkmal bald vergessen. Schließlich sind Denkmäler doch dazu da, Geschichte einzufrieren. Theo Heyen