Es gibt so Zeiten, da kommt man nicht ohne einen Gefährten aus, den keiner sieht außer einem selber, einen Nothelfer sozusagen, der es einem leichter macht, mit dem Alltag fertig zu werden. Mit dem Allein-im-dunkeln-schlafen-Müssen oder mit gemeinen Hunden, mit Situationen eben, bei denen auch die liebevollsten Eltern einem nicht beistehen können.

Bei Max zum Beispiel taucht eines Tages ein sprechender Löwe auf. Ein Löwe, der über das Himmelsgewölbe von den fernen Savannen Afrikas bis nach Dänemark gewandert ist, weil ihm die Zebras auf die Dauer zu langweilig wurden. Er macht sich in Max’ Bett breit, so daß Max im Schlafsack auf dem Fußboden übernachten muß. Und es gern tut. Außerdem hat der Löwe einen enormen Appetit auf Frikadellen, Lammkoteletts und Brathähnchen, verschmäht aber auch Popcorn und Salzlakritze nicht. Im Handumdrehen verwandelt er Max’ Zimmer in einen Schweinestall voll abgelutschter Knochen und Knorpel. Und Max hat alle Hände voll zu tun, die Eltern am Betreten seines Zimmers zu hindern oder die Geräusche des Löwen mühevoll zu erklären beziehungsweise zu übertönen.

Irgendwann muß er sich dann doch seinem besten Freund Benny anvertrauen. Doch Benny ist ein waschechter Hypochonder und zudem außergewöhnlich nekrophil veranlagt, redet er doch immerzu vom „Abkratzen“ und darüber, wie und wo er begraben werden will. Er hat einfach zuviel mit sich selbst zu tun, als Max’ sprechenden Löwen ernst zu nehmen.

Noch schwieriger wird es, als Oskar – so möchte der Löwe genannt werden –, partout an der Fastnachtsfete teilnehmen will, die Max’ Eltern in ihrem Partykeller für ihren Sohn und dessen Freunde veranstalten. Als einziger Ausweg bleibt, Oskars Löwen-Outfit als naturgetreues Kostüm auszugeben. Trotz guter Vorsätze benimmt sich Oskar jedoch mehr und mehr daneben, und schließlich kommt der Augenblick, wo Max ihm sagen muß: „Vielleicht solltest du langsam mal nach Hause gehen, Oskar?“ Und Oskar verschwindet. Auf Nimmerwiedersehen.

Bjarne Reuter, der den unvergeßlichen Buster Oregon Mortensen erfand und über drei herrliche Bände verteilte, kann mit „Oskar“ diesen Gipfel nicht übersteigen. Die Probleme von Max und seinem Busenfreund Benny greifen nicht so ans Herz wie die sozialen und menschlichen Handikaps, denen Buster einst so unverdrossen wie originell zu Leibe rückte. Während sich die komischen Stellen in den Buster-Bänden wie selbstverständlich aus den Situationen ergaben, haben sie hier oft etwas Bemühtes, ja Kalauerndes. Vielleicht..., ja, vielleicht ist die Geschichte einfach ein wenig zu nett konstruiert. Karla Schneider

  • Bjarne Reuter:

Wir beide, Oskar ... für immer!

Aus dem Dänischen von Gabriele Haefs; Illustrationen von Ellen Strittmatter; Verlag Sauerländer, Aarau/Frankfurt a.M. 1991; 80 S., 19,80 DM