Spitzi? Prickel? Oder Pieks? – Wie soll der Stammhalter denn nun heißen, fragen sich Mutter und Vater Stachelschwein, überwältigt von liebender Bewunderung. Auch Stachelheinrich steht noch zur Diskussion. Doch schließlich siegt die Originalität – der süße Kleine hört in Zukunft auf den Namen Kuschel. Und damit beginnen die Probleme.

Denn als der Stachelschweinjunge dem Kinderwagen entwachsen ist und sich zum ersten Mal in seiner gelben Latzhose im Spiegel betrachtet, kann er nur staunen: Alles voller Stacheln, und dann Kuschel? Daß da irgend etwas nicht stimmt, darauf stößt der Kleine jeden Tag aufs neue: Mal will er sich in die Matratze kuscheln – und spießt sie auf. Mal will er es sich unter einem Schirm gemütlich machen – und durchlöchert ihn zum Sieb. Er sinnt auf Harmonie. Zwischen Schein und Sein. Mit einem Schaumbad beziehungsweise Schlagsahne versucht er, den Stacheln die Spitze zu nehmen, Rasierschaum soll die ekligen Dornen unsichtbar machen. Aber das hilft sowenig wie das Kaninchenkostüm nebst falschen Ohren und Möhre, das Kuschel zur Tarnung überstreift. Es bleibt dabei: „Kuschel war nicht kuschelig.“

All diese kindlich-ernsthaften, fast verzweifelten Bemühungen, endlich der Namensgebung der Eltern zu entsprechen, setzt Lynn Munsinger phantasievoll und komisch ins Bild. Man leidet lachend mit dem Stachelschwein, mit seiner Enttäuschung und Ratlosigkeit, wenn’s mal wieder nicht geklappt hat mit dem Kuschligwerden, und kann seine Anstrengungen nur allzu gut nachempfinden. Die Carmen mit den blonden Zöpfen und den blauen Augen, der Lasse mit dem schwarzen Haarschopf, die kurzbeinige Madonna. Nicht nur Kuschel piekst das alles gewaltig.

Doch die Erlösung naht. In Gestalt eines gewaltigen Nashorns mit dem Namen – Winzi! Und da lacht zuerst der eine und dann der andere, und dann lachen sie sich gemeinsam schlapp. Wen wundert’s, daß sie die besten Freunde werden.

Ein einfühlsam erzähltes Bilderbuch für alle, die mit ihrem Namen nicht glücklich sind. Das heißt, für fast alle. Denn siehe: Wer die richtigen Freunde mit dem falschen Namen hat, kann sich auch mit Stacheln kuschelig fühlen.

Hubertus Rabe

Lynn Munsinger/Helen Lester: