In nur einer Stunde mit dem Transrapid von Hamburg nach Berlin schweben – diese Vision für das Jahr 2000 besitzt nun einen höheren Gehalt an Wahrscheinlichkeit als je zuvor. Das hat zwei Gründe: Erstens kann die bis zu 500 Stundenkilometer schnelle Magnetbahn seit wenigen Tagen das Expertenprädikat „einsatzreif“ vorweisen. Und zweitens formiert sich politisch ein starker Förderkreis für eine bestimmte Strecke, nämlich die 280 Kilometer von Hamburg nach Berlin.

Die Verbindung zwischen den beiden größten deutschen Metropolen besitzt als erste Transrapid-Trasse vielfältigen Charme, vor allem weil sie zum größten Teil über das Gebiet der ehemaligen DDR führen würde. In früheren Jahren wurden Transrapid-Projekte stets als Konkurrenz zu den ICE-Paradezügen der Bundesbahn ventiliert, die deshalb harten Widerstand leistete. Die Ost-West-Strecken im vereinten Deutschland sind zumeist schlecht ausgebaut, müssen aber einen sprunghaft wachsenden Verkehr verkraften. Extrakapazitäten sind aus Sicht des Bahnchefs Heinz Dürr erwünscht.

Auch der Verkehrsminister findet Gefallen am Transrapid zwischen Alster und Spree. Günther Krause, stets auf der Suche nach raschen Beschäftigungschancen für die Ostdeutschen, hat sich vom Berliner Institut für Bahntechnik ausrechnen lassen, daß während der Bauphase knapp 150 000 Arbeitsplätze geschaffen würden. Wegen der Stahlstelzen des Fahrwegs erhofft sich Krause einen besonders positiven Effekt für die darniederliegende Werftindustrie im Osten.

Der Verkehrsminister will die Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin denn auch unbedingt in den ersten Verkehrswegeplan für das vereinte Deutschland aufnehmen, der in wenigen Wochen fertig sein soll. Und dann fehlt nur noch das Geld: 7,4 Milliarden Mark soll das Projekt kosten – nach einschlägigen Erfahrungen wird es tatsächlich mindestens doppelt so teuer. üth