In der Geschichte der FDP-Parteigelder spielte der Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff mit seiner Spendenaffäre eine zentrale Rolle. Für die Fortschreibung der Finanzhistorie sorgt nun ein anderer Otto, nämlich Schatzmeister Hermann Otto Solms. Anders als seine Partner von der CDU mochte Solms von Anbeginn der west-östlichen Parteieneinheit an nicht auf die Vermögen der pseudoliberalen Brüder und Schwestern verzichten. Solms beharrte auf Rückgabe der rechtmäßig erworbenen Vermögen, als sei dies nach vierzig Jahren SED- und Blockflöten-Herrschaft so einfach zu entscheiden. Vergangene Woche bewies er vor der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung der Parteivermögen Ost wieder einmal, wie sehr es ihn zum realsozialistischen Gelde der "liberal-demokratischen" SED-Hilfsorganisation LPD drängt.

In einem fünfseitigen Vortrag erläuterte Solms der Kommission, daß die DDR-Liberalen eine "differenzierte Behandlung" verdienten, daß sie bis zuletzt "unabhängige Geisteshaltung" behauptet und Parteiwahlen nach "demokratischen Prinzipien" vorgenommen hätten, so daß man sie nicht mit der SED gleichsetzen dürfe, wie das der Kriterienkatalog der Kommission tut. Für den Fall, daß die Kommission bei dieser Betrachtung bleibt, kündigte der FDP-Schatzmeister gerichtliche Schritte an.

Vor ziemlich genau einem Jahr meldete eine ominös Glasschüssel genannte nachrichtendienstliche Quelle des Kölner Verfassungsschutzes Informelles von fast Vergessenem. Bei der U-Boot-Affäre (Blaupausen der Howaldtswerke/Deutsche Werft, HDW, für Südafrika) habe Alexander Schalck-Golodkowski auch mitgenischt. Nachforschungen dazu liefen damals ins Leere. HDW konnte belegen, daß die Glasschüssel-Quelle offenkundig einen Sprung hatte. Jetzt tauchten neue Hinweise auf, die Zusammenhänge zwischen dem Kauf des südafrikanischen Passagierschiffes Astor I durch die DDR und dem U-Boot-Deal von HDW mit Südafrika andeuten.

Beide Geschäfte fanden im gleichen Jahr (1985) statt. Das von der Rostocker Schiffscommerz für 168 Millionen Mark gekaufte Schiff wurde vor der Übergabe bei HDW für rund 3,5 Millionen Mark überholt. Dieser Zusammenhang allein bedeutet noch nichts. Die Tatsache aber, daß HDW an Schalcks Firma KoKo eine satte Provision zahlte (6 959 073,48 Mark), gibt zu denken, War das etwa die Provision für gute Maklerdienste von Schalck beim U-Boot-Deal? Daß dieses Geschäft im Zweifel über ein unverfängliches Drittland abgewickelt werden sollte, ist aktenkundig.

HDW-Sprecher Jürgen Rohweder verweist diese Fragestellung ins Reich der Spekulationen. Er bestätigt zwar die Provision, erklärt sie aber als branchenüblich: Weil die Astor I von der DDR gekauft wurde, habe HDW von Südafrika den Auftrag für den Bau der Astor II erhalten. Und dieser Auftrag sei eine Provision wert gewesen.

Reinhard Krämer, Experte der Grünen im U-Boot-Untersuchungsausschuß des Bundestages, mißtraut dieser Version. Krämer: "Das kommt mir alles sehr spanisch vor. Ich glaube daran erst, wenn HDW das mit der Offenlegung aller Akten belegt, wie wir das immer gefordert haben." Es gibt auch eine andere Gelegenheit, die Stichhaltigkeit der Astor-Provision zu belegen: HDW-Aufsichtsratsvorsitzender Ernst Pieper ist demnächst als Zeuge im Bonner Schalck-Untersuchungsausschuß geladen und muß Rede und Antwort stehen.

Rüstungs-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls verläßt die Hardthöhe Ende Februar ausdrücklich auf eigenen Wunsch. Er verzichtet damit aus freien Stücken auf erworbene Beamtenprivilegien wie Ruhegeld und Pension. Beides wäre gemäß Beamtengesetz erhalten geblieben, hätte Pfahls einen Rausschmiß provoziert und wäre entlassen worden. Dies aber hat Pfahls, der in eine Anwaltspraxis einsteigt, nicht nötig. Minister Gerhard Stoltenberg lobte die Zusammenarbeit mit Pfahls überschwenglich und nannte dessen Leistungen sogar bemerkenswert.