Björn Engholm, der Braungebrannte, hat das blasse Bonn nicht überrascht. Nachdem er in Namibia unerschrocken dem Ozonloch die Stirn geboten hatte, widersetzte er sich nun abermals dem Drängen Hans-Ulrich Kloses nach Klarheit in der Kandidatenfrage. Erwartungsgemäß hat er auf seiner ersten Pressekonferenz des Jahres gemeinsam mit Oskar Lafontaine ausführlich über das SPD-Programmprojekt "Deutschland 2000" und über seine eigenen politischen Prioritäten filibustert, das erlösende Ja zu seiner Kandidatur gegen Kohl aber blieb aus.

Immerhin hat der SPD-Vorsitzende mitgeteilt, er werde demnächst seinen Vorschlag zum Verfahren machen, womit sich wiederum Parteivorstand und Parteirat beschäftigen werden. Gut Ding braucht Weile. Engholm hofft damit aber auch, wie er es ausdrückte, "dem Selbstausrufungssystem ein Ende zu bereiten". Das nämlich, beschied Engholm die Öffentlichkeit und wohl auch Klose, der sich immerhin theoretisch bereit erklärt hatte zu kandidieren, schätze seine Partei nicht, daß die Leute "sich selbst küren".

Merkwürdig: Bisher hatte man den Eindruck, das Problem wäre eher der Mangel an Interessenten als die Qual der Wahl. Ein Klose macht schließlich noch keinen Vorwahlkampf nach amerikanischem Vorbild. Mindestens ein Lafontaine gehörte da noch dazu. Und vermutlich ein Rückzieher Engholms.

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Ganz andere Sorgen hat die CSU. Kanzlerkandidaten braucht sie keinen, um so mehr aber Profil. Zeit für Selbstbeschwörungen und Selbstvergewisserungen, Zeit also für Kreuth. In dem legendären oberbayerischen Dorf fand soeben die 16. Klausurtagung der CSU-Landesgruppe statt – Kreuth XVI –, die Zählung beginnt mit 1976, als Strauß ("der Verstorbene") mit der Trennung von Kohls CDU spielte. Jüngere CSU-Politiker wie Wolfgang Bötsch, Hans ("Johnny") Klein und Theo Waigel stimmten damals dagegen, heute sind sie das CSU-Establishment. Dennoch, so Waigel, "Kreuth behält seinen Klang". Irgendwie klingt der Sound von Kreuth aber nicht so drohend, wie das vielleicht gemeint war. Als abends nach der außenpolitischen Diskussion die örtliche Musik aufspielte – "Amazing Grace" und "In the Mood" –, war der Ehrengast Peter Cheney, Verteidigungsminister aus Washington, entzückt über soviel Gemütlichkeit: "Gorgeous." Toll!

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Die Kreuther Out-Liste 92 der CSU: