Wolfgang Berghofer und Hans Modrow – Wahlhelfer im Dienste der SED

Von Rainer Frenkel

Dresden, im Januar

Alle sprechen deutsch. Doch zuweilen verstehen sie einander nicht. Im Raum 145 des Dresdner Bezirksgerichts reden Menschen miteinander, die aus weit voneinander entfernten Welten stammen und nun in einem Land leben. Was sie sagen, bringt gelegentlich erheiternde, zuweilen erschreckende Mißverständnisse hervor. Daß sie behutsam beiseite geräumt werden, ist das Verdienst des Vorsitzenden Richters Gerd Halfar, der hier noch Richter am Bezirksgericht heißt.

Verhandelt wird über die auch von den Angeklagten nicht bestrittene Manipulation der Kommunalwahl im noch ungewendeten Dresden des Mai 1989. Es geht also um "persönliche Schuld", wie Halfar nachdrücklich feststellt. Doch um diese Schuld nachweisen zu können, ist über die Wirklichkeit der DDR zu reden, und das ist oft nicht so einfach.

Werner Moke etwa, der frühere SED-Chef von Dresden und gemeinsam mit dem früheren Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer auf der Anklagebank, soll dem Richter erklären, warum er sich immer nur für die Wahlbeteiligung interessiert hat und nie für die Neinstimmen. Er druckst herum: "Gestatten Sie mir, wenn ich das sagen darf, ich habe dafür Verständnis, daß das nicht verstanden wird."

So hat er einen doppelt verunglückten verbalen Rittberger vorgeführt und gleichzeitig noch einen Diener gemacht. Einen Diener macht am Tag darauf auch Hans Modrow, damals Bezirksparteichef in Dresden, ZK-Mitglied, später für kurze Zeit Ministerpräsident der DDR und nunmehr, für die PDS, Abgeordneter im Bundestag. Ihm sagt Richter Halfar, er habe ihm eine vielleicht unangenehme Frage zu stellen, "ich stelle sie auch". Modrow springt hoch, sein Anwalt zerrt ihn zurück in den Stuhl. Der Zeuge hatte verstanden "Stehen Sie auf", und so stand er auf.