Eine Zugreise in Italien ist nicht mehr lustig, sondern jetzt eher lästig geworden. Seit dem 1. Januar schnappt nämlich die Rückfahrkartenfalle zu. Offiziell weiß selbst das italienische Bahnpublikum nichts vom Beginn der neuen Plage, welche sich die Verwaltung der Staatlichen Eisenbahnen Ferrovie dello Stato für sie ausgedacht hat.

Das System heißt doppelte Fahrkartenkontrolle. Alle Inhaber von Rückfahrkarten müssen sich danach neuerdings unmittelbar vor Antritt ihrer Rückreise in Italien noch einmal an den Bahnschalter begeben. Dort wird der Beginn der Rückfahrt abgestempelt. Bei der Zugkontrolle, die damit keineswegs aufgehoben ist, achtet der Schaffner auf diesen Stempel. Wenn er fehlt, gibt es Bußen. Zunächst sind 30 000 Lire oder umgerechnet 40,50 Mark für den fehlenden Vermerk auf der Rückfahrkarte fällig. Dazu kommen 6000 Lire oder 8,10 Mark obligate Schreibgebühr für die Ausstellung eines Dokuments im Zuge. Der Schaffner hat das Recht, diesen Betrag aufzurunden. Mit Windeseile haben die ersten geschädigten Fahrgäste die Kunde verbreitet. Enorm verlängerte Schlangen an den ohnehin nach den Festtagen umlagerten Bahnschaltern sind die Folge. Es gibt aber auch Fatalisten, die vor einem nochmaligen Anstehen unter solchen Bedingungen kapitulieren – und zahlen.

Offensichtlich will die Bahn auf diese Weise die physische und psychische Belastungsgrenze ihrer Kunden testen. Was sie ansonsten mit der doppelten Kontrolle bezweckt, weiß bis jetzt niemand. Zwei Theorien laufen unter den Bahnkunden um, erklärt der Leserbriefschreiber Giuseppe Aciverno aus Vercelli in der Wirtschaftszeitung 24 Ore. Die eine, modernistische, ist zu kompliziert, als daß ein deutsches Publikum sie verstehen könnte. Die andere, traditionalistische Erklärung vermutet, daß es der Bahnverwaltung ganz einfach darum geht, ihre Einnahmen zu erhöhen. Schließlich nimmt sich die Bundesbahn mit ihren paar Milliarden Mark Jahresverlusten neben dem Defizit der Ferrovie dello Stato wie ein Musterknabe aus.

Noch ein Drittes. Italiens Bahnverwaltung wird neuerdings mit Rückerstattungsanträgen überhäuft, heißt es. Die Passagiere haben nämlich inzwischen das Recht, ihr Fahrgeld zurückzufordern, falls die Bahn streikt. Die Rückzahlung der Zuschläge darf verlangt werden, falls der Zug mehr als eine Stunde Verspätung hat. Daß lästig gewordene Erstattungsanträge etwas mit dem neuen Ukas der Rückfahrkartenkontrolle zu tun haben könnten, ist jedoch auch nur ein Gerücht. fg