Die Rechnungen von Heilpraktikern werden häufig zurückgewiesen – entgegen den Erwartungen der Patienten

Von Dirk Kurbjuweit

Die Worte ihres Versicherungsmaklers klingen Helga Lehmann* aus Frankfurt noch im Ohr: "Jawoll, das bezahlt die Hallesche-Nationale", habe er zum Thema Naturheilkunde gesagt. Helga Lehmann war es besonders wichtig, bei einer privaten Krankenversicherung abzuschließen, die neben der Schulmedizin auch alternative Methoden akzeptiert. Heute weiß sie, daß es ein Fehler war, nicht genauer nachgefragt zu haben.

Als Helga Lehmann unter einer chronischen Nierenbeckenentzündung litt, vertraute sie auf die orthomolekulare Medizin, die Heilung durch eine besondere Diät verspricht. Der Halleschen-Nationalen schickte sie eine Rechnung über mehr als 700 Mark zur Erstattung. Als wenig später ein negativer Bescheid im Briefkasten lag, fiel die Frankfurterin aus allen Wolken. Bei genauer Lektüre der Vertragsbedingungen mußte Helga Lehmann feststellen, daß sie keine rechtsverbindliche Zusage auf Kostenübernahme hatte. "Ich fühle mich in die Irre geführt", sagt sie.

Klagen, wie die von Helga Lehmann, sind den Hamburger Versicherungsmaklern Thomas Martens und Axel Wagener sehr vertraut. Mehr als 2000 ähnliche Fälle haben sie registriert. Ihre Agentur Securvita vermittelt private Krankenversicherungen vor allem an Menschen, die auf Naturheilverfahren setzen. Anders als manche Kollegen verstehen sich die beiden als Anwälte ihrer Kunden. Das macht eine Menge Arbeit, denn die Zahlungsmoral vieler privater Versicherer ist miserabel, wenn es um Alternativmedizin geht.

Perfide Fallstricke

Das Muster bleibt stets gleich: In den Prospekten wird vorne viel versprochen, hinten stehen die großen Ausnahmen. Die sind zudem so schwammig formuliert, daß niemand auf Anhieb erkennen kann, welche Naturheilverfahren bezahlt werden. "Der Kunde ist in vielen Fällen der Willkür seines Versicherers ausgeliefert", sagt Thomas Martens. Das kann Wolfgang Scholl von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nur bestätigen. Auch er hat regelmäßig empörte Patienten am Telephon, die völlig überrascht sind, weil ihre Versicherung die Rechnung eines Heilpraktikers nicht übernehmen will. Die über 2000 Fälle, die Securvita gesammelt hat, sind daher nur ein Ausschnitt des Problems.