Von Elisabeth Wehrmann

Sie tun es aus Liebe. Und im schönen Glanz des ersten Glückes werden sie wohl oft dem Bild gerecht, das sich der alte Meister aus all den Friederiken, Charlotten, Mariannen oder Christianen zusammenträumte. Sie sind gebildet und geistreich, können mit bedeutenden Persönlichkeiten in vielen Sprachen plaudern, kennen sich aus in Politik und Kultur. Natürlich wissen sie, wann es besser ist zu lächeln, als zu reden. Sie verstehen es, ganz mühelos die kleinen und die großen Empfänge zu arrangieren; sie kochen und servieren mit Geschmack und Raffinesse, erscheinen graziös, doch bescheiden und stets anmutig, ob in Ballrobe, Jeans oder Tropenkleid; ob in Bangkok oder Warschau, Djakarta, Rio oder Lomé.

"Goethes Frauen": das ist nicht etwa ein Callgirl-Ring für gehobene Ansprüche. Es sind die Partnerinnen und Ehefrauen der Mitarbeiter des Goethe-Instituts, die an der Seite ihrer Gatten und Gefährten in 157 Instituten rund um die Welt auf ihre Weise der Pflege und der Förderung der deutschen Kultur dienen dürfen.

Doch während allein im vergangenen Jahr mehr als 22 Goethe-Institute aktuelle Frauenthemen in Seminaren, Symposien und Verbundprojekten anboten, während in Nairobi über die deutsche Frauenbewegung diskutiert, in Montreal über "Frau und Politik" und "Neue Impulse zum Demokratisierungsprozeß" nachgedacht wurde, ist Goethes Frauen selbst eher ein Leben in Großmutters Gartenlaube beschieden. So jedenfalls denkt es sich der Arbeitgeber ihrer Partner oder Ehemänner. Wenn diese in Goethes Dienste treten, müssen sie sich bereit erklären, uneingeschränkt versetzbar zu sein. In der Praxis bedeutet das Rotation im Rhythmus von fünf Jahren, ein immer wieder anderer Dienstort zwischen Zagreb und Abidjan.

Wenn die Ehefrauen mitreisen, wenn sie die Familie nicht auseinanderreißen wollen, wird ihr Leben weniger von eigenen Interessen, dem eigenen Beruf, womöglich einer eigenen Karriere bestimmt als durch den Spielraum, den der Arbeitgeber des Mannes ihnen läßt. Zwar dürfen die Frauen in Goethes Namen die große, weite Welt kennenlernen, dürfen auch "am Rande der Gesamtaufgabe, die wir wahrnehmen", so Goethe-Generalsekretär Horst Harnischfeger, oft umfangreiche Pflichten übernehmen, dürfen ihre Kenntnisse und "Connections" zum Wohl des Instituts und des Landes ("Goethe steht für Deutschland") einbringen, aber das, was sie leisten, wird weder anerkannt noch honoriert. Jedenfalls nicht von der Zentrale des Goethe-Instituts. Da haben sie, wenn die Schleier der Rhetorik fallen, weder Recht noch Stimme – wohl aber die Gelegenheit, selbstlos, klaglos und kostenlos Gutes zu tun.

Anneliese Rott, die jahrzehntelang die Rolle der Goethe-Ehefrau "gern und aus Überzeugung" spielte, hat die ganze Palette der Dienstleistungen erbracht ("You name it – I did it"), war oft genug mehr als zwanzig Stunden in der Woche im Sinne des Instituts tätig, ohne je ein Wort der Anerkennung aus der Zentrale zu hören. "Was mich an der ganzen Sache geärgert hat, war, daß meine Arbeit so ganz als selbstverständlich angesehen wurde." Viele fühlen sich in die Rolle einer Haushälterin ohne Gehalt gedrängt, fast alle klagen über die verlorene Zeit, den finanziellen Aufwand (der nur teilweise durch eine pauschale Entschädigung gedeckt wird), die körperlichen und seelischen Strapazen bei jedem Umzug, bei jeder neuen Wohnungssuche, bei jeder neuen Eingewöhnung – und über die völlig fehlende Resonanz aus der Zentrale.

Wenn Goethes Frauen ihren Partnern an einen ausländischen Dienstort folgen, bekommen sie einen Dienstpaß. Ohne daß sie jemals befragt wurden, finden sie unter der Rubrik Beruf die Eintragung: "Ehefrau des Dozenten/Leiters der Zweigstelle des Goethe-Instituts in XYZ". Das sei nun keineswegs diskriminierend gemeint, versichert Generalsekretär Harnischfeger, die Ehefrau sei ja in ihrer Lebensführung durch den Beruf des Mannes mitbetroffen, habe viele gesellschaftliche Verpflichtungen, insofern sei das schon ein Beruf.