Ein Puppenspieler war er. Ein Germanistikprofessor dazu. Bei der Sendung mit der Maus hat er mitgemacht. Und Kinderbücher geschrieben. Literarisch interessierten Studenten bot er Schreibkurse an. Und dann noch ein ernst zu nehmender Erzähler? Ja.

Lange hat es gedauert, bis Gerhard Mensching seinen ersten veritablen Roman publizierte: Erst mußte eine ordentliche Hochschulkarriere gestartet werden (der Schüler Benno von Wieses lehrte seit 1965 an der Ruhr-Universität), erst mußte sein Vater sterben, ein Religionswissenschaftler, bis sich der Sohn den Schriftstellertraum verwirklichte: 1982, da war er schon fünfzig, erschien sein „Löwe in Aspik“ (von dem Debütroman wurden mangelnder Resonanz bei der Kritik zum Trotz bis heute 25 000 Stück verkauft).

In neun Jahren zwölf Bücher: Da hatte jemand ein Versäumnis gutzumachen. „Ich hätte konsequent bleiben und allen Verlockungen der Sicherheit widerstehen sollen. Statt dessen gab ich den Traum vom Schriftsteller auf, nahm die Rolle eines Wissenschaftlers an und redete mir ein, ich hätte Weg und Ziel gefunden.“ Nicht Mensching selbst sprach so – er ließ eine seiner Figuren für sich reden, den Germanistikprofessor Udo Meyer-Sauteur, der einem Studenten anonym jene „Violetten Briefe“ schickt, die fingierte Avancen der schönsten Studentin im Seminar enthalten und einem Band mit Erzählungen den Titel gaben. Erotische Verwicklungen mit tödlichem Ausgang – eine Spezialität des Erzählers Mensching.

Besonders seriös geht es denn in seinen Geschichten, Romanen und Krimis auch nicht zu, von den Kinderbüchern („Insel der sprechenden Tiere“ oder „Der Gespensterfreund“) ganz zu schweigen. Selten genug in der deutschen Literatur: die Witze nicht öde, die Pointen nicht übertrieben, die Gelehrsamkeit nicht auftrumpfend und die Prosa nicht ausufernd. Mit Ausnahme vielleicht des Romans „E.T.A. Hoffmanns letzte Erzählung“: In dem Fall ist dem Schriftsteller, der gern Schriftsteller zum Helden machte, dann doch der Germanist in die Quere gekommen.

Bei seinem letzten Roman „Die abschaltbare Frau“ ist das schon wieder ganz anders. Zwar werden Hoffmann-Leser in der Geschichte einer schönen Androidin wieder manche literarische Anspielung finden, doch sonst spielt die Romanze ganz im Hier und Jetzt: Die teuflisch lernfähige Kunst-Frau läßt den aller Weiblichkeit überdrüssigen Mann aus der Werbebranche, der es mit einer verfeinerten Sexpuppe halten wollte, in jeder Hinsicht auflaufen – komisch, finster.

Gerhard Mensching, in der vergangenen Woche in Bochum einem Herzinfarkt erlegen, 59 Jahre alt, wollte ein unterhaltender Erzähler sein – er verstand sein Handwerk. Ein neuer Band mit Erzählungen ist fertig, er soll im Herbst erscheinen. Geplanter Titel: „Komm rüber, Leser“. vhg