Robert Lutz, über BMW und Ford zum drittgrößten amerikanischen Autoproduzenten Chrysler gestoßen und dort unter Lee Iacocca die Nummer zwei im Management, ist anderer Meinung als sein Chef. Chrysler, so Lutz in der vergangenen Woche in Detroit, "muß unabhängig bleiben. Man kann seine Mitarbeiter nicht motivieren, wenn das Unternehmen zum Verkauf steht."

Lutz widersprach damit Iacocca, der nur wenige Tage zuvor die automobile Welt überrascht hatte. "Für die nächsten fünf Jahre sind wir in guter Verfassung", meinte der Chrysler-Boß zwar, aber für die Zeit danach brauche der Konzern einen starken Partner, möglicherweise sogar für eine Fusion.

Chrysler, ebenso wie General Motors und Ford seit mehr als einem Jahr tief in den roten Zahlen, hat im ersten Halbjahr 1991 einen Betriebsverlust von 553 Millionen Dollar erwirtschaftet. Anders als seine beiden größeren Detroiter Konkurrenten hat Chrysler kaum noch finanzielle Reserven, um eine weitere Verlustperiode durchzuhalten. Wie prekär die Lage bereits ist, demonstrierte jetzt die neuerliche Herabstufung der Chrysler-Bonität als Kreditnehmer in die Nähe von Junk-Bond-Werten durch die Agentur Standard & Poors.

Chrysler, als Pkw-Verkäufer in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr erstmals von den beiden japanischen Herstellern Honda und Toyota überholt und dadurch vom dritten auf den fünften Rang zurückgefallen, hatte bereits 1990 Fusionsverhandlungen mit dem italienischen Autokonzern Fiat aufgenommen, aber nach vielen Monaten ohne Ergebnis abgebrochen. Ein Jahr später prüfte dann Ford die Möglichkeit, Chrysler zu schlucken – ließ aber schnell wieder die Finger davon.

Gegenwärtig ist Chrysler am engsten mit dem japanischen Automobil-Hersteller Mitsubishi verbunden, von dessen Aktien knapp elf Prozent den Amerikanern gehören. Im November vergangenen Jahres rückten beide allerdings auseinander: Mitsubishi übernahm eine paritätisch betriebene Fabrik im Bundesstaat Illinois voll in eigene Regie.

Marktzusammenbruch, Milliardenverluste, Massenentlassungen... Francis Lorentz, Chef des französischen Computerkonzerns Bull, hatte in den vergangenen Monaten nun wirklich nichts zu lachen. Auf einer eilig angesetzten Pressekonferenz am vergangenen Montag in Paris machte er zum ersten Mal wieder einen zufriedenen Eindruck.

Der Grund: Bull wird nun nicht mehr nur von dem kleineren amerikanischen Computerhersteller Hewlett Packard (HP), sondern auch von seinem großen Konkurrenten IBM zwecks enger Kooperation umworben. "Durch die Konkurrenz haben sich die Angebote um einiges verbessert", versichert ein hoher Regierungsberater.