Jahrzehntelang war Die Welt eine der vier deutschen Tageszeitungen von bundesweitem Gewicht. Dann zeigte das Flaggschiff des Springer-Konzerns immer mehr Schlagseite. Ideologisch: Es krängte immer mehr nach rechts. Finanziell: Der jährliche Verlust lag schließlich bei vierzig Millionen Mark. Inzwischen hat eine neue Trimmung die alte Rechtslastigkeit zum guten Teil überwunden. Nun soll ein neues redaktionelles Konzept auch das Defizit beheben.

Aber es sind dabei zwei ganz unterschiedliche Vorstellungen im Schwange. Nach dem Vorschlag der Redaktion sollen mehr journalistische Lebendigkeit, mehr Pluralismus, neue thematische Schwerpunkte dem Blatt auf die Beine helfen; Die Welt soll nach diesem Plan ein seriöses Blatt bleiben. Nach einem Modell des Verlags wird eine Promenadenmischung – besser: Boulevardmischung – aus Bild und USA Today angestrebt: 24 Seiten, ohne Kulturteil, mit viel Optik und mit genormten Artikeln, von denen keiner länger als achtzig Zeilen sein soll. Verknüpft mit dem fürs Jahresende anvisierten Umzug nach Berlin wäre dies der Ausstieg aus der Überregionalität wie aus der Seriosität.

Auch in der Verlagswelt reißt das immer mehr ein: die Verwechslung von Design und Stil, von Verpackung und Inhalt, von Geglitzer und Gediegenheit. Es wäre ein Jammer, wenn Die Welt zum Opfer einer solchen Verwechslung würde (Siehe auch Wirtschaft, S. 21). Th. S.