ZDF, Montag, 20. Januar, 19.20 Uhr: „Mit tödlicher Sicherheit“ von Andy Bausch

Gudrun Landgrebe, Otto Sander und Hark Böhm agieren hier wie schlechte Schauspieler; das peinliche ist nur, daß man sie immer im Blick hat, nicht den schlechten Regisseur. Das peinliche ist, daß sie nicht wie schlechte Schauspieler agieren, sondern daß sie in diesem Film wirklich welche sind.

Die Story ist so künstlich, daß man sie kaum erzählen kann, geschweige denn spielen. Der Film besteht nur aus Konstruktionen und Ungereimtheiten. Dramatik setzt ein Interesse an Menschen voraus. Die Autoren dieses Films aber sind nur an der figürlichen Verifikation ihrer politischen These interessiert. Arme Schauspieler. Die angestrengten Versuche von Böhm, unter diesen Voraussetzungen seine Haut zu retten, wirken rührend. Frau Landgrebe und Herr Sander hingegen begeben sich auf eine andere Ebene, sie nehmen den Film nicht ernst, sie liefern eine „Pflicht“ ab, die nahe daran ist, in die Persiflage umzukippen.

Ort der Handlung ist die neue deutsche Hauptstadt. Es liegt von Beginn eine Aggressivität in der Luft, von der man nicht weiß, wo sie herkommt. Das könnte einen ja neugierig machen, wenn nicht dauernd so simple Antworten gegeben würden: Da und da und da kommt es her, das aggressive Klima, das zuletzt die Bombe platzen läßt. Der rechtsradikale „Bulle“ und ehemalige Volkspolizist fährt bei einem Zusammenstoß mit Randalierern den ganz und gar unschuldigen Sohn eines seelisch lädierten Vietnamkriegsveteranen tot. Das ist doch der pure Sprengstoff, nicht wahr? Der Veteran jedenfalls besorgt sich solchen und bastelt eine Superbombe für Berlin. Zwei geheime Verbände schalten sich dazu und mischen mit. Ein Kriminaler wird zum Kriminellen; daß man auch weiß, was dies zu bedeuten hat, trägt er alsbald eine schwarzrotgüldene Jacke. Im Osten der Stadt wird ihm sein teurer Kabinenroller demoliert, nun weiß man endgültig, wo die ganze unterschwellige Gewalt herkömmt.

Berlin, Berlin, eine Stadt vor dem großen Knall. Der Film hat Ansätze zu einer Leichtigkeit, die diese Stimmung ins Absurde hebt. Gudrun Landgrebe juchzt orgiastisch, als sie die Plastikbombe gefunden hat. Mit großen Kinderaugen, in denen Angst und Lust und Neugier sind, drückt sie das Knöpfchen, und überm Tiergarten steigt der Feuerdom empor. Was Frau Landgrebe mit dem terroristischen Veteranen zu tun hat? Nichts. Muß sie auch nicht, ist ja Science-fiction.

„Berlin – Jahre nach der Vereinigung“, so lesen wir im Vorspann. Berlin ist, na klar, der Hexenkessel geworden, dem nur noch die Bombe Erlösung schafft. Und der arme kleine Kommissar (Hark Böhm) wirkt so antiquiert mit seinem Vorsatz, Ordnung zu schaffen, wo längst das Chaos Gesetz ist. Ein aktionsreicher Langweiler ist dieser Film, weil überall nur Bestätigung gefunden wird für die wenig originelle These, das aggressive Klima in der vereinigten Hauptstadt werde ad finitum anschwellen.

Zynismus ist langweilig, ihr lieben Fernsehredakteure! Und wenn euer Fernsehen alles darf – langweilig werden darf es doch gewiß nicht, oder?

Martin Ahrends