Die Bundesbank läßt sich von niemandem ins Bockshorn jagen, wenn es gilt, die Stärke der D-Mark zu verteidigen und die Inflationsrate niedrig zu halten. Im Prinzip sollte die jüngste Zinserhöhung deshalb auch ein Warnschuß für die Bundesregierung sein, die nach Ansicht der Währungshüter zu viele Schulden macht.

Doch Finanzminister Theo Waigel kann sich freuen: Seit die Leitzinsen angehoben worden sind, sinken die mittel- und langfristigen Zinsen. Die Folge: Das Schuldenmachen wird für die öffentliche Hand billiger statt teurer.

Ob das der rechte Anreiz zum Sparen ist? Wie schwer es ist, die Kapitalmärkte in die gewünschte Richtung zu lenken, bekommt seit Monaten auch die amerikanische Notenbank zu spüren. Sie hat den Diskontsatz inzwischen auf 3,5 Prozent gesenkt, um die marode US-Wirtschaft über billige Kredite wieder anzukurbeln. Doch dort zeigt sich ebenfalls, daß die Leitzinsen höchstens noch für die Geldmarktzinsen eine Leitfunktion haben: Die langfristigen Zinsen liegen weiterhin über 7,5 Prozent und damit gewiß noch immer zu hoch für die meisten Kreditnehmer. mhf