Unter den allgegenwärtigen Augen Saddams: Bilder aus einem belagerten Land

Von Michael Lüders

Bagdad ist hektisch und staubig, immer staut sich der Verkehr, der Smog gehört zum Alltag. Im Café mustern mich die Gäste neugierig, oder sie sehen durch mich hindurch, als bedrohe der Ausländer die eigene brüchige Identität. Menschen mit alltäglichen Sorgen, Mienen wie in Frankfurt oder Berlin. Aber keine Banken-Türme – Märtyrer-Monumente setzen die Akzente. Eines zeigt zwei Schwerter, die sich in etwa hundert Meter Höhe kreuzen, getragen von zwei Fäusten, exakt nachmodelliert den Händen Saddam Husseins. Daran hängen Füllhörner, aus denen sich Hunderte von Soldatenhelmen ergießen – die Helme von gefallenen Iranern.

Alle Wege in Bagdad führen zu Saadun Dawud, in das moderne Bürogebäude des Informationsministeriums direkt am Tigris. Kein Journalist, Autor, Filmemacher kommt an seinem Pressebüro vorbei. Hier wird höflich, aber bestimmt verwaltet und kassiert (für Bemühungen, in US-Dollar), vor allem aber klargestellt, daß eigenständiges Fragen nur in Maßen erwünscht ist.

"Wir leben im Kriegszustand. Wir bitten unsere ausländischen Kollegen, das zu berücksichtigen. Für die Kurdengebiete bekommen Sie keine Genehmigung. Für die Sumpfgebiete an der iranischen Grenze auch nicht. Es gibt zu viele Banditen unter den Schiiten da. Die kuwaitische Grenze ist tabu. Alle militärischen Anlagen." Dann macht er eine Pause. "Auch die Friedhöfe."

Saadun Dawud redet mit ausladender Geste, bestimmt und nach Möglichkeit ohne Blickkontakt. Er wirkt etwas verloren in seinem ultramodernen Büro, vielleicht deswegen, weil das funktionale Ambiente sich nicht verträgt mit seiner archaischen, kalifischen Funktion. Sein Stil ist die Verlautbarung, Einwände sind möglich, aber sinnlos.

"Ich empfehle Ihnen ein Gespräch mit dem Gesundheitsminister. Er wird Sie informieren über die Folgen des Boykotts. 70 000 Iraker sind bislang gestorben, an Mangelernährung und Medikamentenmangel, darunter 20 000 Kinder. Es ist Ihre Pflicht, darüber in Deutschland zu berichten."