Angst vorm Aussterben

Sterben nach den Deutschen nun auch die Rumänen aus? In Bukarest wächst jedenfalls ob des deutlichen Rückgangs der Geburtenzahlen eine Furcht, die schon hierzulande wilde Blüten trieb. So zählten Statistiker im ersten Halbjahr 1991 dreimal so viele Schwangerschaftsabbrüche wie Neugeborene. Nach Ceausescus Sturz wurde die Abtreibung legalisiert; Verhütungsmittel sind auf dem freien Markt. Zudem fliehen Zehntausende das vollkommen verarmte Land: Inzwischen leben nur noch 22 Millionen Rumänen in ihrer Heimat. Seit 1989 verringerte sich die Bevölkerung also um eine Million Bürger – und um einen Tyrannen.

Cuba libre

Als kürzlich eine Delegation einflußreicher Exil-Kubaner Moskau verließ, verabschiedete sie der russische Außenminister Andrej Kosyrew mit einem Toast auf ein „freies Kuba“. In den Gläsern war Bacardi-Rum, ein Markenname aus den Zeiten des vorrevolutionären Kuba. Bald könnte sich der Trinkspruch bewahrheiten. Russische Pläne wurden bekannt, den Abzug der – ehemals sowjetischen – Truppen zu beschleunigen und die wirtschaftliche Unterstützung ihres ehemaligen Verbündeten in der Karibik zu beenden. Bereits heute müssen sich die Kubaner mit wachsenden Problemen herumschlagen. Strom, Gas und Wasser wurden rationiert, Sodawasser und Schweinefleisch fehlen in vielen Regalen – sogar der Rum wird knapp. Hoffentlich bleibt noch genug zum Anstoßen, wenn Kuba wieder frei ist.

Litanei des Terrors

Sie jagen weiter: Nur sechs Tage nach dem Friedensabkommen zwischen der Guerilla und der Regierung von El Salvador sandten die berüchtigten Todesschwadronen neue Morddrohungen in das mittelamerikanische Land. Elf Angehörigen des Nationalen Rates Protestantischer Kirchen kündigte eine „Geheimarmee zur Errettung der Nation“ ihre Ermordung an; sie seien „Kommunisten“, hätten die Rebellen „schon immer“ unterstützt. Die rechtsradikale Litanei macht den Adressaten Angst – im vergangenen Jahrzehnt folgte ihr häufig das grausame Lied vom Tod. Die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international vermutet, daß die Rechtsterroristen auf die Kirchenmänner anlegen, weil diese eine „entscheidende Vermittlerrolle“ bei den zähen Friedensverhandlungen gespielt hätten. In einem Notruf werden die salvadorianischen Behörden nun aufgefordert, die Priester zu schützen und die Pistoleros zu verfolgen. Sonst drohe im ersten Monat des Friedens nach über zehn Jahren Bürgerkrieg schon wieder Blut zu fließen.