Amerika im Jammertal: Die Blamage in Japan verhagelt Bush den Start in den Wahlkampf

Von Dieter Buhl

Aus der Neuen Welt kommen altbekannte Klagen. Amerika hat the blues, wieder einmal. Kaum zu glauben, aber die Nation, die vor Jahresfrist ihre Muskeln am Golf spielen ließ und dann bis in den Herbst hinein ihren Sieg feierte, leidet unter bitteren Selbstzweifeln. Solcher Pendelschwung der Gefühle kennzeichnet seit langem die amerikanische Stimmungsdemokratie. Die immer kürzeren Intervalle zwischen himmelhoch-jauchzend und zu-Tode-betrübt verraten eine gefährliche Unsicherheit.

Falls es noch eines Symbols der Krise bedurft hätte, so hat es der Bush-Besuch in Japan geliefert. Der Präsident der Vereinigten Staaten ohnmächtig und hilflos auf einem japanischen Podest – was könnte Amerikas Malaise, was seine Schwäche gegenüber dem härtesten Wirtschaftskonkurrenten eindeutiger dokumentieren?

Bush wollte auf seiner Asien-Tour jobs, jobs, jobs für zu Hause besorgen; er kehrte zurück mit Almosen, vagen Versprechungen und ramponiertem Ansehen. Es fügte dem Schaden noch den Spott hinzu, daß ihm der japanische Ministerpräsident den Trost mit auf den Heimweg gab, Nippon werde Freunde in Not nicht im Stich lassen.

Die blamable Premiere als Automobilverkäufer verhagelte George Bush den Start ins Wahljahr. Als Innenpolitiker hatte er die amerikanischen Wähler schon bisher nicht beeindruckt. Nun steht auch der Ruf des Außenpolitikers Bush in Frage. Die rasante Schwindsucht seiner Popularitätsrate – von rund 90 Prozent Zustimmung nach dem Golfkrieg auf jetzt 47 Prozent – bezeugt den Unmut seiner Landsleute.

Schonungslose Diagnose