Die irisch-republikanische Armee (IRA), die am vergangenen Freitag sieben protestantische Bauarbeiter ermordete, braucht keinen Friedenskompromiß für Nordirland zu fürchten: Der geistige Vater des Verhandlungsprozesses, der britische Nordirlandminister Peter Brooke, hat seine Autorität mit einem peinlichen Lapsus verspielt. Brooke war wenige Stunden nach dem IRA-Anschlag Gast in einer populären irischen Fernseh-Talk-Show. Er gab dem Drängen seines taktlosen Gastgebers nach, ein Lied zu singen.

Übers Wochenende ergoß sich dann eine Sturmflut der Empörung über Brooke. Am Montag, während der britische Premierminister John Major in Belfast die Zerstörungen der IRA-Bomben besichtigte, bot der Minister seinen Rücktritt an und entschuldigte sich für seinen Patzer. Major wollte allerdings so kurz vor einer Parlamentswahl nichts von einer Kabinettsumbildung wissen. Deshalb kann Brooke noch für ein paar Wochen im Amt bleiben.

Die Hoffnungen, daß die seit dem vergangenen Juli unterbrochenen Verhandlungen bald wiederaufgenommen werden, sind allerdings mit Brookes Demontage verflogen. Für die zerstrittenen nordirischen Parteien und für die in Skandale verstrickte Regierung kommt Brookes Malheur nicht ungelegen: Der geduldige britische Landjunker hatte sich mit seiner zähen Millimeterdiplomatie als Dorn im Fleisch all jener erwiesen, die an unrealistischen Maximalforderungen festhalten. Brookes ehrliches Engagement für die ihm anvertraute Provinz entlarvte die mangelnde Bereitschaft seiner Verhandlungspartner zum Kompromiß.

Nun haben die Bombenleger wieder freie Bahn. Eine Reaktion des Staates wird nicht auf sich warten lassen. M.A.