Als am Freitag vergangener Woche der Vorstandsvorsitzende der Minol AG, Wolfgang Burkhardt, seinen versammelten Führungskräften die Privatisierungsentscheidung der Treuhandanstalt verkündete, knallten in der Berliner Zentrale des einstigen DDR-Tankstellenmonopolisten die Sektkorken. Der ostdeutsche Benzingigant fällt an ein kurz "Ted" genanntes Konsortium aus Thyssen Handelsunion, dem französischen Mineralöl- und Chemiekonzern Elf-Aquitaine und der Deutschen SB Kauf (DSBK), einer gemeinsamen Tochter der Handelskonzerne Metro und Asko.

Damit scheint der schon zu Beginn der Privatisierungsdiskussion Mitte 1990 geäußerte Wunsch der Minol in Erfüllung zu gehen, "mit eigener Marke als elfter Anbieter auf dem deutschen Mineralölmarkt" zu überleben. Der Beschluß der Treuhand soll in den kommenden Jahren fast fünf Milliarden Mark an Investitionen nach sich ziehen.

Die mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Elf-Aquitaine, mit über fünfzig Milliarden Mark Umsatz das größte und gewinnträchtigste (Staats-)Unternehmen Frankreichs, schließt mit einem Schlag zu den großen Fünf (Aral, Dea, BP, Shell, Esso) im deutschen Mineralölmarkt auf. Zu den gut 400 Tankstellen des westdeutschen Elf-Netzes kommen jetzt 930 Tankstellen unter der neuen, lilafarbenen Minol-Flagge. Rund 600 dieser Minol-Stationen werden derzeit als Vertragstankstellen von privaten Pächtern und mittelständischen Unternehmen geführt, der Rest ist Eigentum der Minol. Mit diesem Netz käme der Elf/Minol-Verbund auf der Umsatzrangliste der deutschen Benzinvertreiber auf einen Platz unmittelbar hinter den fünf Marktführern, die derzeit allesamt rund zehn Prozent oder mehr am deutschen Benzinabsatz halten.

Innerhalb des Ted-Konsortiums übernimmt die Elf die alleinige Regie über die Tankstellen. Rund 1,4 Milliarden Mark wollen die Franzosen, die sich erst vergangenes Jahr groß in bislang unabhängige Tankstellennetze in Großbritannien und Spanien eingekauft haben, für die Modernisierung der Zapfstationen und Tanklager der Minol ausgeben.

Bei den im Paket mit der Minol gekauften Raffinerieaktivitäten der Leuna-Werke und der Hydrierwerke Zeitz (geplante Investitionen: 3,3 Milliarden Mark) teilen sich Thyssen (siehe unten) und Elf Investitionen und Aktivitäten. Die Thyssen-Tochter Thyssen Rheinstahl Technik übernimmt Konstruktion und Bau einer neuen Raffinerie, die eines Tages die total veralteten Leuna-Anlagen ersetzen soll. Eine neue Pipeline nach Rostock oder ein Anschluß an die süddeutschen Pipelines soll zudem die einseitige Abhängigkeit von den russischen Lieferanten mindern. In einer gemeinsamen Betreibergesellschaft, die mit 600 Millionen Mark Grundkapital ausgestattet werden soll, sind für die Franzosen zwei Drittel und die Deutschen ein Drittel der Anteile vorgesehen. Nach Fertigstellung besitzt Thyssen die Option, ihren Anteil zu behalten oder an die Elf respektive an andere Investoren abzugeben.

Doch der Düsseldorfer Konzern kann noch weitere Vorteile aus dem Engagement ziehen. Die Speditionstochter Thyssen Trans GmbH soll in die Belieferung der Tankstellen eingeschaltet werden. Eine Integration der Minol-eigenen Tankwagenflotte liegt nahe. Und auch die Anfang Januar von den beiden Konsortialpartnern gegründete Thyssen-Elf Oil GmbH (Teo), welche die milliardenschweren deutschen Heizölinteressen der beiden Konzerne zusammenfaßt, könnte von dem Deal profitieren. Das Tanklagernetz und der unmittelbar nach der Wende begonnene Einstieg der Minol in das Heizölgeschäft sind gute Starthelfer auf einem wachsenden Markt in den bisher auf Braunkohle fixierten neuen Bundesländern.

Den simpelsten Part im Dreierkonsortium spielt die DSBK. Ohne große Investitionen fällt den Saarländern die Belieferung der Minol-Tankstellen mit Lebensmitteln und Kfz-Zubehör in den Schoß. Ein Geschäft, das derzeit gerade in den neuen Bundesländern blendend läuft. Denn die Tankstellen-Shops, die bei neugebauten Stationen in der Ex-DDR derzeit die Größe kleinerer Supermärkte erreichen, füllen in der aktuellen Umbruchsituation des ostdeutschen Handels, in der kleinere Lebensmittelläden reihenweise dichtmachen, eine Versorgungslücke.