Wenn Manager mit Großinvestitionen winken, erwarten sie in der Regel von den Politikern des Landes Vorzugsbedingungen: Zuschüsse aller Art, Steuerbefreiungen und billige Kredite. Die Regierenden in aller Welt sind bis zu gewissen Grenzen stets willfährig, denn sie wollen sich für die neuen Arbeitsplätze von den Wählern feiern lassen. Das heißt aber keineswegs, daß sie nicht kräftig gegenhalten, wenn sie eine Chance dazu bekommen.

Diese Erfahrung mußten die Mercedes-Manager in der vergangenen Woche machen. Der tschechoslowakische Industrieminister Jan Vrba nutzte – und verstärkte zugleich – antideutsche Ressentiments, als er einen Forderungskatalog der deutschen Autobauer "völlig unakzeptabel" nannte. Mercedes, weltweit größter Lkw-Produzent, will mit zwei der drei Nutzfahrzeugherstellern der ČSFR – Avia und Liaz – ein Joint-venture aufziehen und 350 Millionen Mark dafür investieren. Der massive Einstieg deutscher Unternehmen bei ČSFR-Marktführern – Volkswagen beim Autohersteller Skoda, Siemens beim Maschinenbauer Skoda-Pilsen – stößt zunehmend auf Kritik. Das böse Wort von der "Kolonisierung der ČSFR" durch den mächtigen Nachbarn im Westen macht die Runde.

Minister Vrba verhilft das zu einer komfortableren Verhandlungsposition gegen Mercedes – aber nicht nur das. Auch das unselige Gezerre um den immer noch nicht unterschriebenen Nachbarschaftsvertrag zwischen beiden Ländern, den die CSU im vermeintlichen Interesse der Sudetendeutschen und ihrer möglichen Eigentumsansprüche bremste, hat die Stimmung für die Deutschen verschlechtert. Mercedes muß dafür zahlen. üth