Protzige Särge, ausgeschlagen mit weißer Seide, daneben massige Grabsteine aus Granit und weiter hinten Plastikblumen sowie andere Utensilien zur Grabgestaltung: zweifellos ein Bestattungsunternehmen.

Aber der gediegene Eindruck verflüchtigt sich bei genauerem Hinsehen: Die karge Halle könnte auch gut als Lager dienen. Ein Schild preist den Grabstein namens "Paradiso" als "Super-Schnäppchen". Und aus den Lautsprechern schallt Bruce Stringsteens "Born in the USA".

"Nein, meine Kunden stört das nicht", meint Michel Leclerc, Chef dieses Etablissements im Pariser Vorort Creteil, zu dem Ambiente. "Im Gegenteil: Das nimmt ihnen den Streß. Dann können sie sich in Ruhe umschauen."

Der Mittfünfziger – immer freundlich und zuvorkommend – hat auch allen Grund, zufrieden zu sein. Vor ein paar Monaten eröffnete er seinen ersten Bestattungssupermarkt Roc Eclerc – und brach damit nach jahrelangem Kampf endgültig das Monopol der französischen Totengräber.

Wie es dazu kam, ist eine – oder besser: sind zwei lange Geschichten. Die eine ist die eines Monopols, das überlebte, obwohl es längst überflüssig war. Die andere ist die eines Menschen, der im Streit mit seinem älteren Bruder zu einer Mischung des TV-Bösewichts Cliff Barnes aus der US-Serie Dallas und Don Quichotte wurde.

Als sich Anfang des Jahrhunderts in Frankreich Staat und Kirche trennten, bestand auch beim Bestattungsrecht – so würden Politiker heute sagen – "Handlungsbedarf":

Wer sollte die Toten fortan unter die Erde bringen – und die satten Gewinne kassieren?