Ein "Café Genscher" ist am 15. Januar in Split eröffnet worden. An diesem Tag nämlich nahm die Bundesrepublik ihre diplomatischen Beziehungen zu Kroatien auf. Aus Spliter Sicht ist die Namensgebung eine naheliegende Idee.

Im Gegenzug ist in Bonn allerdings noch kein "Café Tudjman" eröffnet worden. Im Gegenteil, die protestierenden Serben, die sich am Wochenende in der Innenstadt versammelten, scheinen ganz Bonn als einziges "Café Genscher" zu betrachten, in dem sich vor allem die Journalisten herumtreiben.

Die Spliter Cafehaus-Eröffner haben uns auf etwas gestoßen: Ausgerechnet im Herzen des politischen Geschehens der Republik haben die Gastronomen offenbar ganz vergessen, die großen Söhne der Stadt zu rühmen. Lediglich die "Provinz" vis-ä-vis vom Kanzleramt, inzwischen verblichen, hat einmal von ferne daran erinnert, wo man sich aufhält. Ähnliches gilt für das "Bundeshäuschen", das liegt schon am anderen Ufer des Rheins. In Bonn heißen die Gaststätten: "Zum Gequetschten". "Em Höttche". "Im Stiefel". "Em Düvje". "En de Ühl".

Ach ja, dann könnten wir noch einen "CD-Club" für lange Nächte bieten. Die FDP hat einmal erwogen, eine Kneipe "Zur Fünf-Prozent-Klause" zu nennen. Schließlich das "Mierscheid", nach einem fiktiven Abgeordneten tituliert. Nicht zu vergessen: die "Kinkel-Stuben".

Das Lob Hans-Dietrich Genschers für den Justizminister Klaus Kinkel als Thomas Dehler der neunziger Jahre muß ihm viel Ärger eingebracht haben. Seine Dementis, daß er damit Jürgen Möllemanns Ruhm schmälern wollte, häufen sich. Das letzte klingt folgendermaßen: "Der Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann ist derjenige, der mit einer klaren Konzeption, mit großer Verantwortung und auch mit sehr viel Mut die deutsche Wirtschaftspolitik auf die großen Aufgaben ausrichtet... Herr Kinkel hat das Format, in die Fußstapfen des Justizministers Dehler zu treten – Justizminister dreimal unterstrichen. Jürgen Möllemann ist für diese Zeit als Wirtschaftsminister der richtige Mann. Da kann man kein schwankendes Rohr gebrauchen, sondern eine Persönlichkeit mit klarer Konzeption und Standfestigkeit. Er hat beides." Es nimmt kein Ende, das Lob. Höchste Zeit für ein "Café Möllemann".

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Einen tausendsten Geburtstag feierte das ZDF-Studio in Bonn am Sonntagabend im kleinen Kreis. So oft nämlich ist die Sendung, anfangs als Bonner Perspektiven, inzwischen als bonn direkt,über den Bildschirm gelaufen, seit nunmehr 26 Jahren. Mit Peter Höpen, Rudolf Woller und Karl-Heinz Schwab, getragener Musik und einem schwarzen Pfeil, der über die Mattscheibe wanderte, fing alles an. Heute wird die Sendung von Klaus Peter Siegloch und Peter Ellgaard moderiert, Musik von Beethoven, aber von Uwe Buschkötter neu intoniert, das Logo dynamisch.