Denkbar knapp ging die Stichwahl bei den Präsidentschaftswahlen in Bulgarien aus: 47 Prozent stimmten für den Herausforderer Welko Walkanow, rund 53 Prozent für das neue und alte Staatsoberhaupt Schelju Schelew. Das ist ein miserables Ergebnis für einen Mann, der nicht müde wird, den nationalen Konsens zu beschwören. Das zerrüttete Land hätte ihn bitter nötig, denn nur mit vereinten Kräften können sich die Bulgaren aus den Ruinen des Kommunismus herausarbeiten.

Als besonders schlechte Verlierer erwiesen sich die Bulgarischen Sozialisten (BSP), die Nachlaßverwalter der Kommunistischen Partei. Sie hatte Walkanow unterstützt. Ausgerechnet die Erben des roten Totalitarismus warnen jetzt vor dem blauen Totalitarismus. Blau ist die Farbe der Union Demokratischer Kräfte (SDS), der Schelew nahesteht.

Sie stellt die Mehrheit im Parlament, in der Regierung, und nun sitzt auch auf dem Präsidentenstuhl ein Geistesverwandter. Stets ist die Union jedoch auf die Unterstützung der Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) angewiesen, auf das politische Sprachrohr von rund einer Million Turkbulgaren und Pomaken.

Unter dem alten Regime wurde diese moslemische Minderheit brutal unterdrückt, schließlich zwangsbulgarisiert. Heute spielt sie das Zünglein an der Waage, denn keine Partei kann allein regieren. Die Zeitung der BSP namens Duma kommentierte, auch der Präsident werde jetzt zur „Geisel der DPS“. Als ob es keine anderen Probleme gäbe: Arbeitslosigkeit, Inflation, soziale Not.

Europa, Europa, Europa“ heißt das Rezept des Präsidenten. Es wird ein langer, beschwerlicher Weg dorthin, und man wünscht dem Land, daß ihm Europa auf halber Strecke entgegenkommt. ill