Erstaunt ist man auch darüber, daß Rowland nun das Verkaufszeichen an die Tür gehängt hat. Erst kürzlich hatte Lonrho noch Kaufinteresse angemeldet, zunächst an Brent Walker, dann an der Autofirma Rolls-Royce, schließlich an der Mirror-Zeitungsgruppe. Aber das war alles offenbar eine Finte, um Expansionslust und Stärke vorzutäuschen. In Wirklichkeit hatte Rowland längst den Ausverkauf geplant. Als erstes verkaufte er mit „beträchtlichem Gewinn“ ein Grundstück in Frankfurt am Main für 121 Millionen Mark. Vergangene Woche War dann Kühne & Nagel dran. Lonrho wird die 1981 für 90 Millionen Mark erworbene fünfzigprozentige Beteiligung für 340 Millionen Mark an den Spediteur Klaus Kühne zurückgeben. Und nun hat Lonrho sich mit MAN darauf geeinigt, das britische Importgeschäft von MAN-Nutzfahrzeuge für 57 Millionen Mark an das deutsche Unternehmen zurückzugeben.

Der Rückzug aus Deutschland ist auffallend. Vor zwei Jahren hatte Lonrho 162 Millionen Mark für ein: fünfzigprozentige Beteiligung an der Stuttgarter Gewog bezahlt, die über 4400 Wohnungen verfügt. Und noch im August 1990 hatte Lonrho 281 Millionen Mark für zehn Prozent des Kapitals der Kaufhausgruppe Asko hingelegt. Der aus Schwarzafrika kommende Mischkonzern wollte sich „europäischer“ orientieren.

Nun scheint alles zum Verkauf zu stehen. Als nächste Kandidaten wird auf die schottischen Zeitungen Glasgow Herald und Evening Times getippt. Auch die nationale Sonntagszeitung Observer muß sich auf einen neuen Eigentümer einrichten. Die Hotels („Metropole“ und „Princess“) sind ebenfalls nicht tabu. Außerdem könnte die Import- und Vertriebslizenz für Volkswagen/Audi in Großbritannien zurück an den VW-Konzern gehen.

Der Abgang im Abstieg wäre ein trauriges Ende für den Unternehmer, der sein Privatleben immer noch abschirmt, dessen gesellschaftliche Affären und Skandale aber für eine endlose Reihe von Schlagzeilen gesorgt haben. Er wurde 1917 als Roland Walter Fuhrhop in einem Internierungslager in Indien geboren, Sohn eines Hamburger Kaufmanns und dessen aus London stammender holländischer Frau. Auch im Zweiten Weltkrieg verbrachte er, der seinen Namen in Roland Rowland geändert hatte, einige Monate in einem Internierungslager, auch diesmal wieder in britischer Obhut, auf der Isle of Man. Nach dem Krieg ging er als Farmer nach Rhodesien und entdeckte seine Liebe zu Schwarzafrika, wo er später für Lonrho in vielen Staaten Landwirtschaft, Minen, Zeitungen, Handel betrieb und in der Politik mitmischte. In den vergangenen zwanzig Jahren wandte sich Lonrho zunächst nach Großbritannien und dann nach Deutschland. Rowland bewegte sich auf dem Londoner Parkett als ausgesprochener Außenseiter. Seine Manöver in der grauen Zone des Kommerzes trugen ihm das berühmt gewordene Wort des damaligen konservativen Ministerpräsidenten Edward Heath ein, Lonrho zeige das „unakzeptable Gesicht des Kapitalismus“. Dabei legte sich Rowland auch mit den ägyptischen Brüdern Al Fayeds an, die in einem Untersuchungsbericht der Regierung als Betrüger bezeichnet werden. Mit fast neurotischer Besessenheit verfolgte der große Hasser die beiden Ägypter, die ihm die Kaufhausgruppe House of Fraser – mit dem Londoner Warenhaus Harrods als Kronjuwel – weggeschnappt hatten. Gebannt beobachtete ein entzücktes Publikum das Schauspiel.

Der Spielraum für das Ausleben seiner Eigenheiten wird für Rowland nun geringer. Die Banken dürften ein größeres Interesse an Lonrho und dem Alleinherrscher entwickeln, der sich mit über 1,5 Millionen Pfund eines der höchsten Jahressaläre in britischen Vorstandsetagen genehmigt hat.