Von Gabriele Venzky

Das Schicksal meint es nicht mehr allzu gut mit dem einstigen Helden Gulbuddin Hekmatyar: Seit längerem scheint sich die Außenwelt gegen ihn verschworen zu haben; nun ließen ihn auch seine verläßlichsten Gönner fallen. Der fundamentalistischste und bestgerüstete Führer der afghanischen Mujaheddin kann noch immer nicht fassen, daß Pakistan sogar droht, ihn aus seiner bequemen Exildomäne in Peschawar zu werfen, wenn er nicht endlich "spure".

Seit voriger Woche sieht auch Islamabad ein, daß nach dreizehn Jahren der Krieg in Afghanistan jetzt schnellstens beendet werden muß. Noch im Februar, spätestens Anfang März soll unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen eine Friedenskonferenz stattfinden. Gulbuddin Hekmatyar sieht darin eine internationale Verschwörung gegen den Islam.

Das Einschwenken Pakistans hat endlich den Weg für Verhandlungen frei gemacht. Was die Diplomaten in Islamabad schon seit geraumer Zeit wußten, daß der Krieg in Afghanistan militärisch nicht zu entscheiden und ein Sieg der Fundamentalisten gar nicht wünschenswert sei, mochte den Militärs bisher nicht einleuchten. Vom früheren Diktator Zia ul-Haq mit Hilfe der Amerikaner zum Frontstaat hochgerüstet, waren Pakistan und sein militärischer Geheimdienst ISI der nie versiegende Tropf, an dem die Mujaheddin hingen. Der wendige Gulbuddin profitierte am meisten von dieser Zusammenarbeit.

Dem Ende des Kalten Krieges folgte auch das Ende der amerikanischen Großzügigkeit. Der Frontstaat wurde fallengelassen. Begründung: Pakistan bastele an der Atombombe – als ob es dies vorher nicht getan hätte. Pakistans neuer, pragmatisch, ja sogar demokratisch denkender Armeechef Asif Nawaz Janjua hat jedoch erkannt, daß gute Beziehungen zu Washington für sein Land wichtiger sind als die Hege panislamistischer Illusionen.

Islamabad hat sich also eingereiht in eine ungewöhnliche Allianz für den Frieden; Amerika, Rußland, die zentralasiatischen GUS-Republiken, die Türkei, Saudi-Arabien, Indien und China ziehen nun an einem Strang. Sie alle sehen sich durch Afghanistan bedroht. Denn das Land entwickelt sich immer mehr zum Hauptexporteur von islamischem Fundamentalismus, Drogen und Terrorismus.

"Die Zeit ist reif", sagt UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali und meint damit: Die Zeit wird knapp. Sein Sonderbeauftragter Benon Sevan pendelt unermüdlich zwischen Islamabad und Kabul hin und her und versucht, die untereinander bis aufs Blut zerstrittenen Mujaheddin-Fraktionen weichzuklopfen.