Von Roland Kirbach

Der Titel des Berichts klingt sensationell: "Stunde Null – die Ausländer verlassen die Stadt Düsseldorf". Das ist natürlich eine Fiktion, denn "weder technisch noch juristisch" sei es möglich, sagt Düsseldorfs Sozialdezernent Paul Saatkamp, daß von heute auf morgen alle Ausländer schlagartig die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt verlassen. Aber was wäre, wenn? Wären dann alle wirtschaftlichen und sozialen Probleme gelöst? Keine Arbeitslosigkeit, keine Wohnungsnot mehr? Oder bräche im Gegenteil die Wirtschaft zusammen? Saatkamp ließ dieses Szenario von seinen Beamten detailliert untersuchen. Vergangene Woche präsentierte er die Ergebnisse und ist nun ganz "überwältigt von der Resonanz". Verbände, Parteien, Unternehmen und Behörden fordern die Untersuchung an. Saatkamp will das Werk, das bislang nur als getipptes Manuskript vorliegt, nun als Broschüre drucken und öffentlich verteilen lassen.

Um es vorwegzunehmen: Ohne Ausländer würden in Düsseldorf keine paradiesischen Zustände ausbrechen, vielmehr "ginge in einigen Bereichen in dieser Stadt buchstäblich das Licht aus", so Saatkamp. Alle Gebiete wären davon betroffen, am härtesten die Wirtschaft und der Dienstleistungssektor. Die Forderung "Ausländer raus" sei – jenseits aller humanitären und politischen Aspekte – wirtschaftlich gesehen "irreal und unüberlegt", meint der Sozialdezernent.

Von den rund 576 000 Einwohnern Düsseldorfs sind 79 700 Ausländer, das entspricht 13,8 Prozent der Bevölkerung. Knapp 33 000 davon sind sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Monatlich verdienen sie zusammen 102 Millionen Mark brutto und zahlen rund 20 Millionen Mark Lohnsteuer sowie 18 Millionen Mark Rentenversicherungsbeiträge. Ohne die Ausländer würde deren Lohnsteuer schlicht ausfallen. Auch die fehlenden Konsumenten würden sich in Umsatzrückgängen der heimischen Wirtschaft bemerkbar machen.

Dies könnte gar eine "Kettenreaktion" auslösen: Der Umsatzrückgang führt zur Drosselung der Warenproduktion; der Handel muß daraufhin Personal entlassen. Weitere Kaufkraft geht so verloren. Die Warenproduktion muß weiter gedrosselt, Arbeitskräfte in der Herstellung müssen entlassen werden – mit der Folge, daß das Gewerbesteueraufkommen sinkt. "Hiervon wäre der städtische Haushalt direkt betroffen", schreiben die Autoren.

Doch nicht nur als Konsumenten, vor allem als Produzenten würden die fehlenden Ausländer eine große Lücke reißen. Da sie überwiegend in der Fertigung beschäftigt sind – und fast kaum in Bereichen wie Marketing, Buchhaltung oder Verkauf –, wäre der Produktionsausfall besonders schmerzhaft. In der Grundstoffverarbeitung beträgt der Ausländeranteil 28 Prozent, in der Konsumgüterherstellung 21 und in den Bauberufen 18 Prozent.

Besonders hoch ist der Anteil der ausländischen Arbeitnehmer Düsseldorfs in folgenden Berufen: Metallschleifer (40 Prozent), Schweißer und Löter (35 Prozent), Köche (31 Prozent), Straßen- und Tiefbauarbeiter (29 Prozent), Bauhilfsarbeiter (28 Prozent), Maurer (28 Prozent), Papierhersteller (25 Prozent), Metallverformer (24 Prozent).