Als Gastgeber des diesjährigen Weltwirtschaftsgipfels muß Bundeskanzler Helmut Kohl bei der Versendung der Einladungen ein Problem lösen, das er selbst – durch eine voreilige Ankündigung auf der Londoner Gipfelkonferenz im vergangenen Jahr – überhaupt erst geschaffen hat.

Unter Hinweis auf die damalige Zusammenkunft der Gipfelteilnehmer mit dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow hatte der deutsche Regierungschef erklärt, Gorbatschow werde „natürlich“ auch auf dem Weltwirtschaftsgipfel in München Anfang Juli „wiederum als Gast anwesend sein“. Jetzt muß Kohl entscheiden, ob er an Stelle Gorbatschows den russischen Präsidenten Boris Jelzin einlädt, der auf internationalem Parkett für seine Republik die Rolle der früheren Sowjetunion beansprucht. Kohls Beauftragter für die Vorbereitung des Münchner Gipfeltreffens, der Finanzstaatssekretär Horst Köhler, wiegelt erst einmal ab: „Es kann keine Automatik geben.“

Doch Kohl steckt in einer Zwickmühle: Bekommt Jelzin keine Einladung, könnte dies der russische Präsident angesichts des Londoner Vorspiels als Affront ansehen – zumal die Entwicklung in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ein Schwerpunktthema der Münchner Beratungen werden soll. Wird aber nur Jelzin nach München gebeten, könnten die Chefs der anderen ehemals sowjetischen Republiken sauer reagieren. Eine Einladung an alle GUS-Präsidenten wiederum würde den Rahmen des Weltwirtschaftsgipfels in seiner bisherigen Art sprengen. Ein Kanzlervertrauter: „Das kann doch keine Massenveranstaltung werden.“

Weil selbst gewaltige Beträge westlicher Hilfe für die GUS-Republiken „nicht einmal am Boden des Fasses ankommen“, sondern schon vorher in den Apparaten versickerten, hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietrich Sperling eine neue Variante für die ceutschen Hilfeleistungen vorgeschlagen. Sperling empfiehlt, die gut sechzig funktionierenden Städtepartnerschaften zu nutzen. Die deutschen Städte sollten sich mit ihrem Wirtschaftsförderungsamt, der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer, mit Gewerkschaften und Bürgergruppen vor Ort in ihren Partnerstädten für konkrete Projekte engagieren, mit denen Produktions- und Versorgungsengpässe beseitigt würden. Beispielsweise denkt Sperling daran, große Werkshallen leerzuräumen und obsolet gewordene Maschinen fortzuschaffen, um dort kleine Gewerbeparks für Handwerksbetriebe einzurichten. Dem SPD-Parlamentarier geht es nicht nur um Anstöße zu neuen Vorhaben, sondern vor allem auch um eine dauerhafte Betreuung, damit nicht – wie geschehen – neue Maschinen zu Ersatzteillagern umfunktioniert und ausgeschlachtet werden.

Nach Sperlings Überzeugung bewirken allein von oben angeordnete Wirtschaftsformen wenig. Funktionieren müßten die Reformen „unten“, und nirgends komme man „so dicht an die Graswurzeln einer neuen, mit kleinen Betrieben anfangenden Wirtschaftsentwicklung in Städten heran wie bei den Städtepartnerschaften“. Das sei ein „ungeheures Potential, das mit relativ geringen Mitteln in Gang gesetzt werden kann“.

Zur Unterstützung seiner Vorschläge hat der Sozialdemokrat bereits einen einflußreichen Befürworter gefunden. Friedrich Wilhelm Christians, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, ein Kenner der alten Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten, hält die kommunale Hilfe für „durchaus probat“.

Nur 78 Pfennig pro Kopf der Bevölkerung ist der Bundesregierung in diesem Jahr die Förderung der Verbraucherberatung wert. Selbst die CDU-Bundestagsabgeordnete Editha Limbach und der von ihr geleitete Gesprächskreis Verbraucherfragen der CDU/CSU-Fraktion kritisieren dieses Sümmchen vorsichtig als „nicht ausreichend“.