Falls Bernhard Vogel an diesem Mittwoch und nach Redaktionsschluß zum Ministerpräsidenten des Landes Thüringen gewählt worden sein sollte, so hat Gott dabei seine Hand im Spiel gehabt. Wir schließen das aus einem bedeutenden Zwischenfall, der sich kürzlich im Kloster Maria Laach ereignete. Dorthin hatten sich die Gebrüder Vogel zu Exerzitien zurückgezogen.

Es ist jetzt, bevor wir auf den Zwischenfall kommen, ein kleiner Ausflug ins Katholische (für den wir unsere protestantischen Leser um Verständnis bitten) vonnöten. Moderne Menschen würden, wenn ihnen Weib und Kind und Job bis zum Kinn stehen und der Sinn des Lebens am Arsch ist, einen Psycho-Workshop absolvieren, irgendwas Bioenergetisch-Gruppendynami-

sches auf der Basis von Selbsterfahrung nach der Feldenkrais-Methode. Also viel Aufwand, viel Geld, und wo bleibt Jesus?

Früher, als Jesus noch lebte, war das billiger. Man ging an einen gottesfürchtigen Ort, betete viel und schwieg viel, hörte entsetzlich langweilige Vorträge (Rette deine Seele!) und las entsetzlich langweilige theologische Schriften (Rette deinen Verstand!). Zwischendurch meldeten sich die elenden körperlichen Bedürfnisse. Schlaf gab es reichlich, das Essen war mäßig bis sau, der Tee rosafarben, die Verdauung unüberhörbar, das dritte verboten. Spaziergänge auf Kieswegen, sattes Grün an der Seite, Gott im Herzen. So war das.

So ähnlich wird es in Maria Laach gewesen sein. Tee in der Tasse, Salmonellen im Salat, der Teufel im Gedärm. Gottes Wege sind oft wunderbar. Die Langeweile der Exerzitien ist ja nur das Antidot zur Hektik des Alltags. Und die Rache des Hl. Salomonellis richtete sich nur gegen jene Fettlebe, der auch die Gebrüder Vogel ausgeliefert sind, der eine nach seinem freiwilligen Rückzug vom Parteivorsitz, der andere nach seinem unfreiwilligen aus dem Amt des Ministerpräsidenten (Mainz).

Der Zwischenfall in Maria Laach traf beide hart. Aber Gott hatte Unterschiedliches mit ihnen vor. Den einen schickte er nach Hause, den anderen dorthin, wo der Pfeffer wächst, nach Erfurt. Gerecht ist das nicht, wohl wahr. Aber auch bei Exerzitien ist, wie einst der Kanzler sagte, entscheidend, was hinten rauskommt. Finis