Eine Theorie wäre angebracht. Über das „Kinderspiel“ als Nachahmung der Welt der Erwachsenen, als Ort vernarbter Wunden, als Suche und Versuch, als todernster Kampf um ein „Freimal“. Die literarische Anthologie „Was wir gespielt haben“ erweist sich als Fundgrube. Angefüllt mit vergessenen Träumen, Freundschaftsbünden, Verstecken, Spielritualen und Wörtern, die eine Welt wiederbringen. Für mich zwei Wörter, zwei Spiele, die abgesunken waren und jetzt wieder leben: „Pickeln“ und „Anwandeln“. Pickeln, ein Spiel, bei dem man versuchte, mit kurzen, spitzen Stöcken, die in den Boden geschleudert wurden, den Stock des anderen zu lockern. Anwandeln, der indirekte, an einer Wand abprallende Wurf mit Pfennigstücken nach denen des Gegners. Zwei unbedeutende Wörter, zwei Spiele, die Jahre, Freunde, Wohnungen und Hausecken zurückholen. Für mich. Für jeden: 315 Seiten Erinnerungen an die Kindheit, einfühlsam ausgewählt und klug gegliedert. Eine Lust zu lesen, die nicht einmal durch das betuliche Nachwort getrübt wird. K.H.

  • Ingeborg Weber-Kellermann/Regine Falkenberg (Hrsg.):

Was wir gespielt haben

Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1992; 363 S., 16 – DM