Von Gunter Hofmann

Bonn, im Februar

Eine kleine Debatte über den Filz in der Republik hat der Soziologe Erwin K. Scheuch entfacht. Das geschieht nicht zum ersten Mal, Scheuch gilt auch nicht als der wahre Kronzeuge in dem Streit, aber erstmals verknüpft sich die Diskussion über Auswüchse des Parteienstaates mit einer Geschichte über den Klüngel in Köln.

Seine "Soziologie des Klüngels" am Beispiel der Domstadt hat Scheuch, selbst eine Kölner Einrichtung und gemeinsam mit seiner Frau schon früher in öffentliche Händel verwickelt, im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der CDU Nordrhein-Westfalens verfaßt. Obendrein ist er CDU-Mitglied. Die Konstellation macht die Sache so schön pikant.

Bonn ist nicht Köln! wird die Bonner politische Klasse, zumal die von ihrem Parteifreund besonders gezauste CDU, bei der Lektüre ausrufen. In der Dokumentation über "Parteien und Politiker in der Bundesrepublik (alt) heute" steht Köln jedenfalls auch als Chiffre für Bonn, für die politische Klasse, in einem gewissen Sinne für das System Bundesrepublik (alt) überhaupt.

Darin steckt ein großer Anspruch, wenn man bedenkt, daß nebenbei vermutlich auch ein kleiner Privatkrieg geführt wird. Aber wer könnte das als Nicht-Kölner schon durchschauen? Dennoch läßt sich die Geschichte durchaus nutzbar machen zur Inspektion der eigenen Verhältnisse.

Köln, sagt und schreibt Scheuch, wird von einem "Kartell von Berufspolitikern" beherrscht. Sie schieben sich Posten, Karrieren, Geld zu. "Vorteilnahme" ist das Lieblingswort von Scheuch. Das findet er ungefähr so schlimm wie den politischen "Zeitgeist". Scheuch nennt auch Namen, um klarzumachen, daß er nicht nur heiße Luft redet. Es würden "regelrecht Verträge geschlossen, wer in welcher Reihenfolge Zugriff auf welche Ämter und sonstige Vorteile haben soll".