Hätte George Bush in seiner Rede an die Nation über die ökonomischen Exzesse der achtziger Jahre sprechen wollen, die mitverantwortlich für die wirtschaftlichen Probleme Amerikas zu Beginn der neunziger sind – der Präsident hätte Teile seines Skripts aus den Annalen einer 134 Jahre alten Firma übernehmen können, die in der vergangenen Woche Konkurs anmelden mußte.

Einen Tag vor dem Auftritt Bushs im Washingtoner Kongreß kapitulierte in New York die Warenhauskette Macy. Schulden in Milliardenhöhe und anhaltend schlechte Verkaufszahlen ließen dem Unternehmen keine andere Wahl, als den Gang zum Vergleichsrichter anzutreten. Eines der größten und bekanntesten Warenhäuser der Vereinigten Staaten mußte damit gerichtlichen Schutz vor seinen Gläubigern suchen.

Geizige Verbraucher, die inmitten der längsten Stagnationsphase des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg um Jobs und Lebensstandard fürchten, waren nur der letzte Sargnagel für das 1858 von einem ehemaligen Walfischfänger gegründete Unternehmen. Die Probleme begannen, als R. H. Macy & Company sich in den achtziger Jahren einige Milliarden Dollar lieh, damit das Management die Firma den Aktionären abkaufen konnte. Schon dieser mit 3,5 Milliarden Dollar Schulden finanzierte leveraged buyout belastete das Unternehmen über Gebühr. Vollends aus den Fugen gerieten seine Finanzen aber erst, als Macy 1988 in einem gierigen Griff nach größeren Marktanteilen zwei weitere Handelsketten übernahm – und dafür noch einmal 1,1 Milliarden Dollar auf den Tisch legte.

Allein um die Zinsen auf seine Schulden zu bezahlen, hätte die Firma in der Folgezeit weitaus höhere Umsätze erzielen müssen, als es in einer zunehmend schwächeren Wirtschaft möglich war. Gewinne hat Macy seit 1986 nicht mehr gemacht. Die Schulden wurden – etwa durch den Verkauf einzelner Unternehmensanteile – zwar von ursprünglich 5,6 auf 3,6 Milliarden Dollar reduziert. Aber das endgültige Aus kam, als während des traditionell wichtigen Weihnachtsgeschäfts in den 250 Macy-Filialen und im Flaggschiff-Gebäude der Kette an der 34. Straße in Manhattan die Kunden ausblieben. Anfang Januar teilte Macy seinen 20 000 Lieferanten mit, daß deren Rechnungen vorerst nicht mehr bezahlt werden können.

Der Gang zum Konkursrichter bedeutet nicht, daß Macy sofort seine Pforten schließen muß. Das Unternehmen, das manchen als ebenso bedeutende amerikanische Ikone wie Mickey Mouse oder McDonald’s gilt, erhält mit dem vorübergehenden Schutz vor den Forderungen seiner Gläubiger die Chance, einen besseren Fahrplan für eine Rückkehr zu Profitabilität zu entwerfen. Ziel ist, so weit zu gesunden, daß es seinen Verpflichtungen nachkommen kann, ohne ständig neue Kredite aufnehmen zu müssen. Seit 1986 mußten Banken insgesamt 23mal Geld nachschießen, um Macy überhaupt am Leben zu halten.

Dennoch wird der Bankrott der Firma einige Opfer kosten. Unklar ist noch, wie viele Macy-Filialen das finanzielle Vabanquespiel des Managements überleben werden und wie viele Beschäftigte ihren Arbeitsplatz behalten können. Sicher scheint, daß die Halter von Macy-Schuldverschreibungen am Ende höchstens sechzig Cent auf jeden investierten Dollar zurückerhalten.

Gerechterweise dürften auch die Manager der Warenhauskette zur Kasse gebeten werden. Als sie in den achtziger Jahren die geniale Idee hatten, ihre Firma zu privatisieren, winkten ihnen der Theorie nach grandiose Profite. Es schien sicher, daß die hohen Schulden schnell zurückgezahlt werden könnten und damit ein gewinnträchtiger Wiederverkauf des Unternehmens irgendwann in den neunziger Jahren möglich sein würde. Ein Manager, der damals 75 000 Dollar investierte, sollte so etwa 1,5 Millionen Dollar zurückbekommen. Macy-Chef Edward Finkelstein steckte 1986 rund 4,4 Millionen in die Firma und spekulierte darauf, daß sich diese Summe in ein paar Jahren in wunderbarer Weise verzwanzigfachen würde. Der Unternehmer hat schlecht kalkuliert: Wahrscheinlich wird Finkelstein mit dem Bankrott seiner Firma über neunzig Prozent der ursprünglichen Investition verlieren. Christian Tenbrock