Götterdämmerung im Elysee: François Mitterrand gerät in den Strudel des Skandals

Von Joachim Fritz-Vannahme

Paris, im Februar

Quelle farce! Es wirken mit: ein Präsident Bund sein Außenminister auf heiterer Fahrt in den Orient. Ein Innenminister mitten im pariser Machtzentrum und doch von angeblicher Ahnungslosigkeit. Eine Präsidentenberaterin, im Zivilberuf Präsidentin des französischen Roten Kreuzes. Weiter eine Handvoll so ergebener wie glückloser Ministerialbeamter. Schließlich ein prominenter Palästinenserführer, einst gefürchteter Terrorist und heute ein kranker Mann. Mitleid treibt die Handelnden zu Beginn des Stückes; im Fortgang aber prägen Mißtrauen, Mangel an Moral und die große Malaise im Volk das Geschehen.

Georgina Dufoix, die eben zurückgetretene Präsidentin des Roten Kreuzes und Beraterin von François Mitterrand, hat ein großes Herz; es ist viel größer als ihr politischer Instinkt. Wie sonst wäre sie am Sonntag, dem 25. Januar, generös der Bitte der palästinensischen Schwesterorganisation Roter Halbmond gefolgt? Ein Mann in Tunis war schwer krank und brauchte angeblich dringend eine Spezialbehandlung. Doch der Kranke hieß Georges Habasch und ist Gründer der terroristischen Volksfront für die Befreiung Palästinas. Die mitleidige Madame Dufoix, erfahren in geheimen Nahostmissionen, wußte genau, wem sie die Tür zur Pariser Rotkreuzklinik Henri Dunant öffnete.

Gewiß, ganz ungewöhnlich war die Hilfsanfrage nicht. Frankreich pflegte seine guten Beziehungen zur PLO wiederholt am Krankenbett, das es diskret für den einen oder anderen Fedajin aufschlug. Das Mitleid hat Methode.

Doch Georges Habasch kam nicht still als einfacher Patient und ging auch nicht leise als geheilter Mann. Er schien überhaupt dem Tod so nah nicht zu sein, wie ihre palästinensischen Partner das gegenüber Georgina Dufoix ausgemalt hatten. Gestützt auf Frau und Arzt, stieg der alte Terrorist am Mittwoch, dem 29. Januar, um 21.30 Uhr auf dem Pariser Flughafen Le Bourget aus seiner Sondermaschine. Empfangen wurde er von den Polizisten der Elitetruppe Raid, die sonst hohe Staatsgäste schützt und direkt dem Innenminister untersteht.