Skeptisch bis pessimistisch klangen zur Jahreswende die Prognosen für 1992. Gründe dafür gab es genug: die Schuldenberge, die nicht enden wollende Rezession in Amerika, schwacher Dollar, hohe Zinsen in Deutschland und vieles mehr. Die Börsen der Welt jedoch ließen sich von der düsteren Stimmung wenig beeindrucken. An der Wall Street begann das neue Jahr ähnlich furios, wie das alte geendet hatte. Der Dow-Jones-Index für Industriewerte legte allein in den vergangenen sechs Wochen um mehr als zwölf Prozent zu.

Es bestehen gute Chancen, daß sich der Aufwärtstrend fortsetzt. Einerseits haben die Washington Redskins das Abschlußspiel der Footballsaison gewonnen, was für die abergläubischen Amerikaner als ein untrügliches Zeichen für ein freundliches Aktienjahr gilt. Andererseits ist auch nach der ZEIT/Südprojekt-Prognose im Verlauf der kommenden sechs Monate mit steigenden Aktienkursen, fallenden Zinsen und einem starken Dollar zu rechnen. Die optimistischen Analysten glauben sogar, daß die Aktienkurse in Tokio bis Ende Juli um 25, in New York um 10 und in Frankfurt um 7 Prozent anziehen. Trotz dieser Aussichten brauchen Geldanleger nichts zu überstürzen. Zunächst prophezeien die Börsenprofis erst einmal eine Konsolidierungsphase bis Ostern, während der sich die Aktien leicht zurückentwickeln könnten. Auch die Zinsen am deutschen Kapitalmarkt sollten zumindest vorübergehend noch einmal steigen. Nach dem Stahl-Tarifkompromiß empfiehlt deshalb die Commerzbank ihren Kunden, erst einmal mit dem Kauf von langfristigen Anleihen zu warten, bis die Renditen wieder über acht Prozent stehen. per