Das World Economic Forum, jedes Jahr in Davos, ist eine ebenso erfolgreiche wie eigenartige Veranstaltung. Da war 1971 ein Mann mit einer Idee und großer Organisationsgabe: Klaus Schwab, Professor an der Genfer Universität, lud damals Geschäftsleute zu einem Symposium im schweizerischen Wintersportort ein. Daraus ist im Laufe der Zeit ein gigantisches Treffen geworden, zu dem jetzt 1800 Teilnehmer aus neunzig Ländern strömten – unter ihnen der chinesische Premierminister Li Peng und die Präsidenten von sieben GUS-Republiken.

Im Vordergrund stand diesmal ein Thema: die Neugliederung der Weltwirtschaft in regionale Handelsblöcke. Nicht nur in Europa, auch in Nord- wie in Lateinamerika und in Asien rücken Nachbarstaaten zusammen. Der Grund ist überall derselbe: Man möchte den Austausch von Waren und Dienstleistungen beleben, ein günstiges Umfeld für Investitionen schaffen. „Die Welt wird kleiner, aber die Märkte werden größer“, bemerkte der britische EG-Kommissar Sir Leon Brittan.

Die Europäische Gemeinschaft betreibt das ehrgeizigste Projekt: Auf dem Binnenmarkt von 1993 sollen möglichst einheitliche Marktbedingungen herrschen, später ergänzt durch eine Währungsunion. Andere Weltregionen begnügen sich mit dem Abbau von Zöllen und sonstigen Hemmnissen, die den Handel mit dem Nachbarn beeinträchtigen. Das gilt insbesondere für das Vorhaben, die Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada auf Mexiko auszudehnen (North American Free Trade Area, kurz Nafta).

Die Nafta wiederum bleibt nicht ohne Rückwirkungen auf Lateinamerika.

Beispiel Kolumbien: Das Land möchte noch dieses Jahr ein Freihandelsabkommen mit Mexiko schließen, um „durch die Hintertür“ in die Nafta einzutreten, wie der kolumbianische Handelsminister freimütig bekennt. Auch mit Venezuela, mit Chile und mit den Partnerstaaten des Andenpakts sucht Kolumbien eine stärkere regionale Integration. Auf der anderen Seite des Pazifiks sind die fernöstlichen Asean-Staaten in den Sog geraten; auch sie wollen ihre Handelspolitik abstimmen – mit oder ohne die Vormacht Japan?

In Davos meldeten die Japaner ihren Führungsanspruch an. Die Gliederung im pazifischen Raum verglich der angesehene Ökonom Isamu Miyazaki vom Daiwa Institute of Research mit einem „Zug fliegender Wildgänse“: vorne sein eigenes Land, dahinter die anderen. Japan – von den Amerikanern und der EG unter Druck gesetzt – braucht und sucht Alliierte.

Der weltweite Trend hat drei Ursachen: