Der Tarifabschluß für die Stahlindustrie ließ am Wochenbeginn den Deutschen Aktienindex (Dax) vorübergehend wieder dicht an die Marke von 1700 herankommen. Übersprungen hat er sie nicht, weil den Meinungskäufen des Berufshandels keine Kundenaufträge folgten. Weder die ausländischen noch die inländischen Anleger sahen in dem Abschluß einen Grund zur Begeisterung, sondern eher das Gegenteil. Da, wie es scheint, die Lohnsteigerungsrate von 6,34 Prozent Pilotfunktion für alle noch folgenden Tarifabschlüsse haben wird, können zunächst alle Hoffnungen auf eine Lockerung der Bundesbankpolitik begraben werden, fürchten die Börsianer. Sogar eine weitere Verschärfung wird nicht ausgeschlossen.

Unter der Zinsernüchterung litten vor allem die Bankaktien. Ob sich allerdings die mögliche Verlängerung der Hochzinsperiode in niedrigeren Bankgewinnen niederschlagen wird, ist noch keineswegs sicher. Allerdings ist die Situation für Emissionen schwieriger geworden. Das hat sich schon bei der jetzt auf den Markt gekommenen Postanleihe (Rendite knapp unter acht Prozent) bemerkbar gemacht.

Positiv war die Reaktion auf den Stahl-Abschluß bei den Einzelhandelspapieren. Trotz steigender Preise, so wird gehofft, wird die Konsumfähigkeit durch die steigenden Gehälter gestützt. Daran würde nach Ansicht der Börsianer auch eine höhere Mehrwertsteuer nichts ändern, zumal ja zur Jahresmitte der Solidaritätszuschlag entfällt.

Eine gewisse Erleichterung griff bei den Autoaktien Platz. Wenngleich die Autokonzerne nun wissen, daß auf sie eine schwere Lohnrunde zukommen wird, ist doch die Gefahr abgewendet, durch einen Stahlarbeiterstreik in Materialschwierigkeiten zu geraten.

Im Bereich der Autozulieferer bewegten sich die Conti-Aktien deutlich aufwärts. Es gilt als sicher, daß Pirelli seine Position bei Conti weiter ausbaut, um den deutschen Reifenhersteller eines Tages doch noch übernehmen zu können. Aufmerksame Börsenbeobachter meinen aber, daß auch Gegenkäufe jener Gruppen stattfinden, die an der Selbständigkeit von Conti interessiert sind.

Aktien der Großchemie, die in jüngster Zeit nach oben gestrebt hatten, litten in dieser Woche unter Gewinnmitnahmen. Ihre Kurse waren durch die bei BASF, Bayer und Hoechst erzielbaren überdurchschnittlichen Renditen abgestützt worden. Wenn aber nun die Renditen allgemein wieder steigen, kann das nicht ohne negativen Einfluß auf die Aktien bleiben, die vorher von Sondereffekten profitierten. K. W.